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mc in den fischen
avatar 05. März 2017 20:43
"Von guten Mächten wunderbar geborgen."

Die Berufsfindung gestaltet sich nicht selten kompliziert. Die persönliche Bestimmung ist lange Zeit unklar, vage und verschwommen. Es herrscht eine gewisse Orientierungslosigkeit und Verwirrung über das Richtige für einen. Definitive Entscheidungen werden eh gerne hinausgeschoben: sich ein für allemal festzulegen fällt ausgesprochen schwer. (Unter Umständen wird - bei entsprechender innerer Stärke - beträchtliche Zeit auf den Traumberuf gewartet, im Falle "dicker Luft" eben ein Gelegenheitsjob ergriffen, sich irgendwie über Wasser gehalten.) In Anbetracht der mannigfachen Begabungen sind tatsächlich viele Betätigungen möglich, stehen die unterschiedlichsten Wege offen. Im Grunde kann ein gängiges Berufsbild die zueigenen Fähigkeiten gar nicht alle fassen - so dass den diversen Talenten eventuell neben einem bürgerlichen Beruf (als "Hobbies") nachzugehen wäre.
Die Phantasie ist gut entwickelt (doch wie ließe sich eine solche konkret verwerten?), gegeben sind Romantik und Naturverbundenheit, auch eine (teilweise begnadete) Ader für Musisches (für Kunst und Poesie). Das große Einfühlungsvermögen und Gespür für Menschen würde eine soziale oder medizinisch-pflegerische Aufgabe nahelegen. Von einer handwerklich-technischen Aktivität, bei der es auf eine genaue und exakte Maßarbeit ankommt, wäre dagegen eher abzuraten.
Durch die Umgebung beeinflusst, wird bisweilen der Weg eingeschlagen, welcher sich gerade ergibt. Anbieten mag sich etwa das Unterkommen in einer Institution oder Behörde - was einem durchaus liegt, da dort kein Druck besteht, an vorderster Front (sozusagen vor aller Augen) zu agieren. Im allgemeinen gelingt die Identifikation mit der ausgeübten Funktion und der zu spielenden Rolle aber nicht sonderlich gut, mag eine solche sogar als nur äußerliche "Maske" empfunden werden.
Da gewissermaßen angezogen von gesellschaftlichen Tabuzonen, von allgemein verfemten bzw. abseitig-anrüchigen Dingen, käme auch eine Beschäftigung mit Randgruppen ("Außenseitern") in Betracht. Hier kann immerhin das unendliche Mitleid und Mitgefühl relativ ungeniert fließen. Die Tücke läge jedoch in der persönlichen Abgrenzung, zumal fremde Probleme allzuleicht zu Herzen genommen werden. Die zueigene Labilität und Nachgiebigkeit ist überhaupt kritisch, d.h. oft zu viel mit sich machen, sich eventuell gar "gutmütig" ausnützen bzw. missbrauchen zu lassen. Konsequenz und Strenge haben sicherlich etwas Unmenschliches an sich, werden einem selbst wie anderen nie völlig gerecht. Aber eine schwankende Haltung bringt es noch weniger!
Typisch sind im weitesten Sinne Schwärmereien, im Grunde paradiesische Ideale hochhaltend. Die Sehnsüchte des Herzens prallen allerdings auf eine harte Realität, entpuppen sich gern als Illusion, rufen Kummer und Leid, eine Art schmerzliches Unerfülltsein hervor. (Selbst-)Täuschung oder Verzerrungen sind praktisch an der Tagesordnung, überhaupt falschen Einschätzungen zu unterliegen. Bedenklicher ist jedoch die Tendenz zum frustrierten Rückzug, sich (als "unverstanden") von der Außenwelt abzukapseln, und quasi auf eine Trauminsel zu fliehen, sich zu betäuben, da eine Anpassung an die Wirklichkeit nicht möglich erscheint.
Ein "normaler" Rahmen ist eigentlich ungeeignet für einen; die üblichen Rollen, Einordnungen und Klischees passen nicht so recht. Den gängigen Formen und Regeln, insbesondere den an einen gestellten Erwartungen fällt es schwer zu genügen (trotz grundsätzlich guten Willens bzw. der Hilfsbereitschaft anderer). Immer wieder treten Missverständnisse auf, wird in heikle Verwicklungen geraten. Dementsprechend entstehen leicht Minderwertigkeitsgefühle und Versagensängste ("nicht bestehen zu können").
Letztlich sind es Gewissensnöte (sowie Gefühle der Überforderung), die verschiedentlich zu einer geringen Verlässlichkeit führen oder dazu, sich Verpflichtungen zu entziehen. Und Aufsicht und Kontrolle werden nicht sonderlich gut vertragen, Situationen der Rechtfertigung daher möglichst gemieden. "Gaukelei" oder ein undurchsichtiges Lavieren (sich irgendwie durchzumogeln) ist dementsprechend zwar nachvollziehbar und verständlich (wenn schon so vieles schiefging), kommt aber bei den Leuten meist nicht gut an. Die periodisch auftretende Disziplinschwäche und Konzentrationsmängel (symptomatisch das Ausufern, thematisch den Faden zu verlieren) hängen vor allem mit der oft vergeblichen Suche nach einer stabilen Stütze in dieser Welt zusammen bzw. damit, dass die (von außen?) gesetzten Ziele unbewusst als zu oberflächlich und kurzsichtig empfunden werden.
In Kindheit und Jugend mussten - zugunsten der persönlichen Eigenart - die elterlichen Normen und Maßstäbe zwangsläufig beiseite geschoben werden. Derlei Aktionen zogen jedoch erhebliche Schuldgefühle nach sich - wie auch späterhin jedes Vernachlässigen der gesellschaftlichen Konvention einen subtil bedrückt. Schlicht seinen Bedürfnissen und Gefühlen zu folgen, führt(e) offensichtlich zu Problemen mit der Moral (welche sich nicht so einfach ignorieren lässt), zumal auf dem Gebiet von Partnerschaft und Sexualität. Soziale Anfeindungen mögen einem heute noch widerfahren, d.h. einen schlechten Ruf angehängt zu bekommen, als merkwürdig und absonderlich zu gelten - bloß weil die von einem beschrittenen Wege ungewöhnlich sind.
Der ewigen Suche nach dem "Fehler in mir" beugt vielleicht die Erklärung vor, dass das subjektive Treue- und Wahrheitsempfinden eben ein anderes ist. Doch hat der "Kopf" häufig etwas Überdimensioniertes - was die Sache nicht gerade erleichtert. Selbstbeobachtung und -kritik sind ausgeprägt; zum Teil wird mit sich hart ins Gericht gegangen, eine regelrechte Psycho-Analyse betrieben. Sein Inneres zu untersuchen und zu sortieren ist einerseits zwar notwendig - um Erlebtes zu verarbeiten, um künftige Fehlschläge zu vermeiden, um sich vorzubereiten auf die an einen herangetragenen Forderungen der Außenwelt. Andererseits mindert das viele Grübeln aber die (eh geringe) Courage, macht einen die "kreisende Gedankenmühle" befangen und verkrampft.
Sich seinen unterschwelligen Bedrohungsgefühlen auszusetzen, ist über kurz oder lang unabdingbar. Der in einem existierenden Ängste gelte es sich bewusst zu werden, sie zumindest anzuerkennen, anstatt ihnen ständig auszuweichen oder bloß von ihnen wegzusehen. Sie sind ein Ergebnis tiefgreifender emotionaler Konflikte, eine Folge der verzwickten Familiengeschichte - und behindern das wirkliche Erwachsenwerden, eine gesunde seelische Eigenständigkeit.
In diesem Kontext wäre auch die Überfrachtung des Themas "Lebensaufgabe und -bestimmung" zu sehen: Weil privat Zwänge, Stress und Unzufriedenheit herrschen, weil Bedürfnisse zurückgestellt und immer wieder Kompromisse geschlossen werden müssen, sind die beruflichen Erwartungen oft so irrational hoch. Doch löst solche Verlagerung (Kompensation) naturgemäß keinerlei Probleme, sondern wirkt nur verschlimmernd. Deshalb hieße es mit einer "Fackel" aus Glaube, Zuversicht und Vertrauen in die inneren Kellerräume hinabzusteigen. Denn werden die bestehenden Komplexe mutig angegangen, findet sich in dem "grausigen" Dunkel des Unbewussten das wahre Licht; in dem auf den ersten Blick Destruktiven und Chaotischen der Innenwelt schlummern äußerst fruchtbare, schöpferische Potenzen!
Letzte Sicherheit existiert sowieso nur im Immateriellen oder Feinstofflichen, nicht in den sicht- und greifbaren Dingen. Entscheidend wäre ein spiritueller Halt, eine innere Gewissheit zu erlangen, und zwar jenseits von Vernunft und Verstand (welche nunmal ihren Begrenzungen unterliegen). Die gegebene hohe Sensibilität für "Schwingungen" wäre weiter zu entwickeln; seine Empfänglichkeit für Ahnungen und Inspirationen gelte es bewusster einzusetzen, die Intuition zu schulen. Statt der Absichtshaltung des Kalkulierens, Steuerns und Manipulierens geht es um ein Loslassen und Sich-führen-lassen (durch verborgene, unsichtbare Kräfte). Denn allzu vordergründige Vorhaben und Pläne sind unweigerlich zum Scheitern verurteilt. Wird eine Erfüllung von Träumen nur konkret-materiell verstanden, mag jene berüchtigte Lähmung auftreten, geht einem die Geduld verloren oder die Energie ins Leere, schwindet der Schwung, lösen sich vielleicht gar äußere Objekte und Strukturen in ein Nichts auf.
Die insgeheim gehegten Hoffnungen und Utopien sollen auf keinen Fall aufgegeben werden. Aber: Wirklichkeit und Projektion heißt es trennen bzw. auseinanderhalten zu lernen. (Nur so kann ein Traum tatsächlich Form und Gestalt annehmen.) Wunsch und Fakt zu unterscheiden muss keineswegs die totale Ernüchterung oder Desillusionierung bedeuten. Im Gegenteil, angesagt ist kein Verdrängen oder Abtöten der Sehnsüchte, sondern eine Offenheit für den überall und jederzeit spürbaren Strom des Lebens, ein Sein ohne doppelten Boden.
Thema Autor Datum/Zeit
mc in den fischen Richard Vetter 05. März 2017 20:43



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