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mc im steinbock
avatar 19. Februar 2017 20:14
Das Gewissen ist dominant, "frühreif" schon in jungen Jahren Verantwortungsbewusstsein, Pflichtgefühl und Anstand zu kennen, d.h. sehr genau zu wissen, was sich gehört - auch wenn man sich nicht immer daran hält. Da normalerweise belastbar und zuverlässig, fleißig und tüchtig, einem übertragene Aufgaben ordentlich und korrekt zu erfüllen bemüht, liegt (mit Fug und Recht) die Eignung vor, ein öffentliches Amt zu bekleiden. Für ein Ziel kann ganz schön geschuftet, können enorme Anstrengungen erbracht werden - dabei sich in der Regel um eine Sache durchaus verdient machend. Das ausgeprägte Leistungsbewusstsein mag für die Umgebung gar nach Ehrgeiz aussehen, nach einem Geltungs- bzw. Profilierungsstreben.
Aus der Erziehung resultieren hohe Selbstanforderungen - Messlatten, welche ebenso an andere Leute angelegt, sogar zu deren Zurechtweisung herangezogen werden. Die gehegten Ansprüche führen allerdings leicht zu einer Versagensangst, zu glauben, eigenen wie fremden Erwartungen nicht genügen zu können. Entsprechend liegt eine nicht zu unterschätzende Gefahr in Selbstunzufriedenheit und Verbitterung, sich grundsätzlich meinen "verbessern" zu müssen. Unbewusst wird so die Achtung oder der Respekt einer (strafenden) inneren Vaterfigur gesucht, ersatzweise auch die Anerkennung durch die Umwelt.
Dabei sind Herz und Gemüt eigentlich ziemlich anhänglich, weich und schwach, sowie erheblichen Stimmungsschwankungen unterworfen. Die psychische Natur zeichnet sich aus durch eine große Empfindsamkeit und Sensibilität, d.h. sehr romantisch, phantasievoll, verträumt - aber auch verletzlich zu sein. Im Inneren wirken ungestillte Sehnsüchte - nach Nähe, Intimität, Geborgenheit und Vertrautheit, sich im Grunde seines Herzens etwa doch eine klassische Familienstruktur (bestehend aus Vater, Mutter und Kind) wünschend.
Das "undisziplinierte", "chaotische" innere Kind mit Gewalt und Strenge in den Griff kriegen zu wollen, wäre die verkehrte Methode im Umgang mit sich selbst. Seine Gefühle abzutöten geht auf die Dauer sowieso nicht. Gefordert ist vielmehr, die sporadisch aufkommenden "Launen" ertragen zu lernen, sie zu akzeptieren, sie zumindest als schlichtweg gegeben hinzunehmen. (Bei genauerem Besehen verbirgt sich hinter ihnen ein riesiges schöpferisches Potential, welches der produktiven Nutzung harrt.)
Depressionen, den Kopf hängen bzw. sich gehen zu lassen (sich beispielsweise auf früheren Lorbeeren auszuruhen), sind untrügliche Symptome eines Ignorierens wichtiger seelischer Bedürfnisse und Nöte. Probleme mit dem Rücken mögen auftreten als Folge emotionaler Verhärtung/ einer unbeugsamen Starrheit, oder als Zeichen einer chronischen Überlastung, sich irgendwo übernommen zu haben. Dann wird Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit hinsichtlich der wahren Empfindungen und Gefühle unaufschiebbar, d.h. mit sich ins Reine zu kommen.
Der Familienroman ist umfangreich und kompliziert. Oft gelingt die Ablösung vom Elternhaus (insbesondere von der Mutter) nicht richtig - doch ermöglicht erst eine Art "Schlussstrich", wirklich auf sich selbst gestellt zu sein. Bis ins Erwachsenenalter hinein gilt es bezüglich der Kindheit, gerade in der Beziehung zu den Eltern, viel aufzuarbeiten. Dem beruflichen Vorankommen wäre eine strikte Abtrennung der Privatsphäre vom Geschäftlichen ausgesprochen dienlich; ein reifes und abgeklärtes Verhältnis zur Herkunft und Vergangenheit ist langfristig jedenfalls unabdingbar. Es ginge jedoch um kein abruptes "Abschneiden" der Biographie und Geschichte (was eh nicht funktioniert) oder um keinen zwanghaften Widerstand gegen das Elternhaus - sondern um ein organisches Herauswachsen aus diesem, sich schlicht zu konzentrieren auf das im Hier und Jetzt Wesentliche, auf seine eigentlichen Aufgaben.
Die in der Karriere regelmäßig erlebten Hürden und Härten gelte es als "zum eigenen Besten" zu begreifen. Positiv gesehen, schützen einen sogenannte "Enttäuschungen" vor Irrungen und sinnlosen Abwegen; sie bewahren einen vor einem hemmungslosen Ausufern, vor einem Überschreiten der persönlichen Grenzen. Brennende Wünsche versagt zu bekommen hat (bei allem Leid) etwas von einem hilfreichen Schicksalskorrektiv, ruft einen quasi zur kosmischen Ordnung zurück.
Zur Entfaltung der Kreativität ist Klarheit die Voraussetzung, sowie eine gewisse Stimmigkeit zwischen Innen und Außen herzustellen, unter anderem den für die eigene Individualität richtigen Rahmen zu finden. Das Gefühl sollte bei jeglichem Tun grundsätzlich mitziehen - was eine Bewusstheit dessen verlangt, "was ich wirklich will". Erst ein fundiertes Wissen um das eigene Wesen erlaubt, sich nach der inneren Stimme zu richten. Selbsterkenntnis bedeutet im allgemeinen harte Arbeit, bedarf eines längeren Wachstums- und Reifungsprozesses. Dann gewinnt jedoch die Verheißung Gestalt, seine ureigenen Maßstäbe aufbauen und sich auf diese stützen, sich am Ende auf sich selbst verlassen zu können.
Auf solcher Grundlage ist der sogenannte Ernst des Lebens weniger bedrückend, kann frohen Herzens auch auf etwas verzichtet werden. Und deutliche Abgrenzungen fallen leichter, nämlich bei Bedarf ohne Reue oder ein Nachweinen neinzusagen (schließlich gebiert jedes Ende einen neuen Anfang) - beziehungsweise, sich nicht alles zumuten ("reinziehen") zu müssen. Auch wird es (ohne versteckte innere Widerstände) unproblematischer, einmal gegebene Versprechen zu halten.
Lebensaufgabe ist die Entwicklung von Geradlinigkeit und Konsequenz, von Selbstdisziplin und -kontrolle - jedoch ohne irgendwelche Unterdrückung. Vielmehr geht es um eine Art reflexiver (bewusster) (Selbst-)Beherrschung oder Zurückhaltung, um eine Selbstbeschränkung, die ein freudiges inneres "Ja" enthält. Angesagt wären schon Qualitäten wie Kontinuität, die traditionellen Tugenden von Geduld und Ausdauer - aber jeweils im Wissen um das Warum und Wofür. Gefragt ist ein vom Herzen kommendes Dranbleiben an den Dingen, einsichtig abwarten zu können. Denn alles auf Erden braucht nunmal seine Zeit.
Thema Autor Datum/Zeit
mc im steinbock Richard Vetter 19. Februar 2017 20:14



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