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mc im skorpion
avatar 05. Februar 2017 18:41
Zur Verfügung steht ein hohes Verantwortungsbewusstsein, die Gabe Belastungen zu tragen, somit auch für die Allgemeinheit wichtige Aufgaben zu erfüllen. Ausgerichtet auf bestimmte Werte, motiviert von einer hehren Idee (verpflichtet beispielsweise der Liebe, Wahrheit oder Gerechtigkeit), kann ein erheblicher Aufwand (an Fleiß und Einsatz) erbracht, sich total verausgabt und aufgeopfert werden - gerade auch für die Mitmenschen.
Für Außenstehende mag das dann sehr nach Ehrgeiz und Erfolgsstreben aussehen. Man ist auf alle Fälle fähig zu eindrucksvollen Leistungen, und beruflich nicht selten tonangebend, geistig gewissermaßen führend. Gegeben ist ein erheblicher Einfluss auf die Bezugsgruppe, d.h. eine Autorität darzustellen, ein Leit- und Vorbild für andere - die mehr oder weniger zu einem aufblicken. Schädlich wäre jedoch, dogmatisch und zwanghaft auf irgendwelchen Prinzipien zu beharren, darauf fixiert, wie etwas genau abzulaufen habe. Leider entsteht desöfteren eine solche Art Starrsinn und mentaler Sturheit, d.h. im Endeffekt ziemlich unflexibel, angespannt oder verkrampft zu sein. Und die hochgesteckten Inhalte bzw. die eigentlichen Ziele können bei so einer "Borniertheit" allzuleicht verloren gehen, die bei dem Ganzen so weaentliche Lebendigkeit und Spontaneität auf der Strecke bleiben.
Ein problematisches (Schatten-)Kapitel sind Manipulationen und Übergriffe - passiv erlebt oder von einem selbst begangen (meist zum vermeintlich Besten der "Opfer"). Bei näherer Prüfung des Einzelfalles stellt sich in der Regel heraus, dass das subtile Steuern und Eingreifen im Grunde erfolgte wegen der existenziellen Angst des Herzens vor einer fundamentalen Veränderung und Infragestellung, wenn die von einem gehegten Absichten, Pläne und Konzepte bedroht schienen durchkreuzt zu werden. Leider erwächst aus einer ausgeübten Macht oftmals ein Berg an drückender Schuld, den es später mühsam abzutragen gilt.
Das Gewissen ("Über-Ich") ist ausgeprägt, "erwachsen" sein zu wollen bzw. glauben sein zu müssen. Der Perfektionsanspruch ist enorm, die Erwartungen an sich wie andere sind hochgesteckt. Die für einen so typische Unzufriedenheit entsteht immer dann und dort, wo diesem "Sollen" nicht genügt wurde; es mag sogar zu einem moralischen Niedermachen (auch von anderen Leuten) kommen, zu einer gewissen Radikalität und Destruktivität (ohne es selbst richtig zu bemerken). Die anvisierte Selbstbemeisterung geht mit den eigenen Fehlern und Schwächen jedenfalls ziemlich unduldsam um, hart und streng, versucht sie praktisch abzutöten, vergewaltigt dabei jedoch die ureigene Natur.
Die in einem ausgeprägte Vorstellungswelt neigt dazu, die wahren Bedürfnisse und Nöte des Gemüts zuzudecken (zu übertünchen und zu kompensieren). So entwickelt sich ein Spannungsverhältnis zwischen Körper und Geist, eine Diskrepanz oder gar Spaltung von "Bewusst" und "Unbewusst". Dem "Oberstübchen" steht deutlich die Triebsphäre entgegen, eine massive Sinnlichkeit und Leidenschaft - welche bisweilen relativ unkontrolliert hervorbricht, nach Nahrung ("Frischfleisch") schreit, und der zu entsagen (sie sich zu verkneifen) langfristig keineswegs gut tut.
Bezeichnend wäre eh eine Situation des "willigen Geistes" im Gegensatz zu einem "schwachen Fleisch". Der Mechanismus läuft etwa so ab: die hohen Ideale locken unterschwellig umso stärkere Genusswünsche auf den Plan, provozieren die hartnäckige Trägheit und Bequemlichkeit der Wunschnatur - die sich vom "Kopf" nicht so richtig akzeptiert fühlt. Symptomatisch ist normalerweise der Bereich der Sexualität: wird diese unterdrückt oder ist man von Bildern der geschlechtlichen Vereinigung wie besessen? Beide Haltungen wären extrem und wehren die tatsächlichen aktuellen Empfindungen und jede echte Berührbarkeit ab.
Gefühlsmäßig herrscht eine nicht zu unterschätzende Anhänglichkeit, ein sehnlicher Wunsch nach Geborgenheit - d.h. etwas Verlässliches (zum "Anlehnen"), jemanden ganz konkret und greifbar bei sich zu haben ("lieber den Spatzen in der Hand als die Taube auf dem Dach"). Alles Streben in die Welt hinaus bedarf als Voraussetzung sehr der emotionalen Verankerung, braucht familiär/ zuhause einen spürbaren Rückhalt. Zwar geht es im Leben für einen schon darum, ideelle (geistige) Gewissheiten zu erlangen; solches ist aber nur möglich auf dem Boden einer materiellen wie affektiven Saturiertheit. Zuerst müssen stets die Primärbedürfnisse befriedigt, muss der große "seelisch-emotionale Hunger" gestillt sein. (Die kritische Frage wäre das Wie: eine Sättigung des inneren Mangels ausschließlich von anderen Leuten zu erwarten, ist jedenfalls verkehrt, da meist auf überzogenen Projektionen beruhend.)
Fakt ist: die persönlichen Perspektiven und Ambitionen lassen sich nicht ohne eine solide Grundlage realisieren; jeder "Höhenflug" setzt eine stabile Ausgangsbasis voraus. Und zu finden wäre eine solche im Grunde nur in der eigenen Psyche. Daraus folgt, dass die gesetzten Ziele und Maßstäbe auch der Gefühlssphäre angemessen sein, diese gebührend berücksichtigen müssen. Wer sein inneres Kind wirklich annimmt, braucht im übrigen auch keine äußeren Erschütterungen oder dramatischen motivationalen Einbrüche mehr zu befürchten.
Trotzdem bleibt eine unvermeidliche Aufgabe die Auseinandersetzung mit Vergangenem, sich zu beschäftigen gerade auch mit dem genetischen Erbe, der Herkunft und Ahnengalerie. Zu arbeiten gelte es an karmischen Verwicklungen, d.h. die verflossenen Bindungen zu rekapitulieren, sich auseinanderzusetzen mit den im Laufe der Zeit angesammelten emotionalen Komplexen. Diese zu bereinigen und aufzulösen ist kein Zuckerlecken; schließlich harren da ordentliche Brocken ihrer Bewältigung (doch disponiert einen dies u.a. für die Psychologie). Abverlangt wird einem eine schonungslose Ehrlichkeit, ein (oft schmerzliches) Aufdecken der "Untaten" und "Sünden" der Vergangenheit, zu rühren an alten Wunden. Positiv betrachtet, geht es dabei darum, sich seiner versteckten Antriebe und Ängste bewusst zu werden, das Dunkel der Instinkte zu lichten - was allerdings möglichst vorsichtig und behutsam geschehen sollte, nie mit Gewalt.
In gewissem Sinne dient jede einzelne "Schuld" und deren Bewusstwerdung der persönlichen Reifung. Ein Gesetz der irdischen Existenz besagt sogar, dass derjenige, welcher aufrichtig sein Kreuz trägt, die wahre Liebe findet (das sog. Rosenkreuz). Ein Stück Selbstaufgabe, die Kapitulation des Egos oder persönlichen Wollens, seine "Ohn-Macht" in bestimmten Situationen zulassen zu können, ist unabdingbar auf dem Weg zum Seelenheil. Dann kann jedoch eine wirkliche Verbundenheit mit anderen Menschen Gestalt annehmen - jenseits von Dominanz und Abhängigkeit.
Thema Autor Datum/Zeit
mc im skorpion Richard Vetter 05. Februar 2017 18:41



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