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mc in waage
avatar 29. Januar 2017 17:57
Die Berufsfindung gestaltet sich nicht selten schwierig. Hier herrscht eine gewisse Unentschiedenheit ("Eile mit Weile"), auch Beeinflussbarkeit: ein Partner beispielsweise kann die Überlegungen völlig über den Haufen werfen, sie in eine ganz andere Richtung lenken. Überhaupt ist das Problem der Berufswahl häufig überlagert von der Beziehungssuche; das Thema "Du" hat oberste Priorität im Leben. Faktisch muss jedoch oft lange gewartet werden auf die oder den Richtigen.
Da bei wichtigen Angelegenheiten relativ weich und nachgiebig, passiv bzw. außenabhängig, bedarf man sehr der Anstöße und Korrekturen durch die Mitmenschen. (Am liebsten werden Dinge sowieso zusammen mit einem Partner gemacht.) Maßgeblich wäre in jedem Falle, etwas für ein Gegenüber zu tun, auf Leute eingehen/ sich auf jemanden beziehen zu können in den einem auferlegten Pflichten.
Diese Haltung mag allerdings darauf hinauslaufen, sich Liebe und Zuwendung erarbeiten zu wollen bzw. dafür eine Leistung glauben erbringen zu müssen. Die im Grunde positiv zu wertende soziale Einstellung kann dazu führen, sich allzusehr nach anderen zu richten, zu vieles mitzumachen oder sich gefallen zu lassen, sich in bestimmten Punkten über den Tisch ziehen, eventuell gar erpressen zu lassen (aus Angst vor einem Liebesverlust).
Während der Charakter von außen in der Regel ruhig und sanft, brav und arglos erscheint, leicht handhabbar, ohne allzuviel Eigensinn, auf zwischenmenschliche Harmonie bedacht (in der letztendlichen Bilanz jedoch meist mit wenig Durchsetzungskraft), herrschen unter der Oberfläche oft Ärger und Missstimmung, regen sich dort gern "böse" Gedanken, "kocht" so manches Mal die Seele. In kritischen Situationen wäre deshalb die entscheidende Frage: wo bleibt das persönliche Wollen und Begehren? (Freundlich zu lavieren, sich durchzumogeln, etc., ist ja keine Dauerlösung, bringt keine echte Zufriedenheit.) Im Inneren läuft überhaupt ganz schön was ab - wovon Fremde normalerweise keine Ahnung haben. Denn auch in einem "gezähmten Haustier" stecken noch die primitiven Instinkte, das Rohe und Wilde des Raubtiers. Leider werden (seit den Kindertagen) auftretende Aggressionen vorwiegend gegen einen selbst gerichtet.
Die Impulsivität und Erregbarkeit des Charakters tritt am ehesten noch im privat-familiären Kontext zutage. Auf diesem Gebiet kommt es nämlich immer wieder zu Konflikten und Streit; auch Handgreiflichkeiten (ab und zu zornig dreinzuschlagen) wären nichts Ungewöhnliches. Zur Gewalt ließe sich allgemein (und etwas verkürzt) sagen, dass es sich dabei eigentlich um eine "Liebe am falschen Platz" handelt. Subjektiv oder innerseelisch sieht die Sachlage meist so aus, dass essentielle Bedürfnisse von einem einfach zu lange zu kurz kommen mussten.
Die zueigenen Kräfte und Gaben kämen am besten in einer Art Team zum Tragen. Wenn jeweils mehrere Leute gemeinsam an einem Strang ziehen/ sie die vorhandenen Lasten arbeitsteilig schultern, stellt sich zudem ein ansehnlicheres Ergebnis ein. Die Fähigkeit zu einer funktionierenden Zusammenarbeit fällt jedoch keinem in den Schoß. In jedem "Miteinander" heißt es sich erst zu bewähren - und der Weg dorthin ist stets gepflastert mit Enttäuschungen (etwa mit erlebter Untreue). Eine Lehre daraus wäre, vielerlei Beziehungen aufzunehmen und zu pflegen - zu den verschiedensten Personen (nicht nur zu einer), und zwar beiderlei Geschlechts. Vor allem aber gilt es zu kapieren, dass "Gemeinschaft" nie bedeutet, (einseitig) nur sich selbst zurückzunehmen. Das Verhältnis von Geben und Nehmen muss jeweils stimmen, dass also keiner der Beteiligten übervorteilt oder ausgenutzt wird. Zu lernen wäre, gerade in Partnerschaften, eine dementsprechende Selbstabgrenzung, auch für Klarheit etwa in einem Beziehungskuddelmuddel zu sorgen, vielleicht gar bewusst eine Trennung herbeizuführen, diesbezüglich hart und konsequent zu sein. Wichtig ist das Finden eines eigenen Standpunktes - sowie die einmal errungene Position dann nicht kampflos wieder aufzugeben, sie der Umgebung zumindest deutlich zu machen. Der persönliche Reifungsprozess (das "Erwachsenwerden") fordert schließlich von einem, seine Affekte ab und an in die Realität zu entlassen, Wut und Frust (seinen "Hass") auch mal hinauszuschleudern. Merke: Deftige Auseinandersetzungen sind notwendig (und am Ende gut, das sog. Salz in der Suppe), speziell in der Liebe.
Es ginge darum, ebenso sich selbst gerecht zu werden (nicht bloß den anderen), zu achten auf die aktuellen Wünsche und Bedürfnisse des Herzens, hinzuhören auf seine Gemütsregungen - sowie die (gar nicht mal so abwegigen) Impulse aus dem Unbewussten tatsächlich aufzugreifen. Die Psyche bzw. das innere persönliche Wesen - welches sich nunmal durch Aktivitätsdrang (eine gewisse "Power") auszeichnet - sollte ausdrücklich zum Zuge kommen dürfen; die zueigene Dynamik und Initiativfreude, die im Grunde enorme Lebenslust bräuchte deutlich mehr Raum.
Aufgegeben ist einem, zwischen den widersprüchlichen Seiten der eigenen Persönlichkeit einen gewissen Ausgleich herzustellen, die vorhandenen Gegensätze und Spannungen miteinander zu versöhnen - und zwar nach Möglichkeit in einer wirklichen Synthese. Nach Entdeckung (und Akzeptieren) der oft so schmerzlich vermissten "fehlenden Hälfte" in einem selbst, muss dann auch weniger von außen erwartet, müssen nicht mehr andere für die persönliche Situation verantwortlich gemacht werden. Und man ist - so ganz nebenbei - auch gelassener, schwerer aus dem Gleichgewicht zu bringen.
Thema Autor Datum/Zeit
mc in waage Richard Vetter 29. Januar 2017 17:57



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