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Das MC in der Jungfrau
avatar 22. Januar 2017 17:58
Beruflich sind Vernunft und Analyse, Nüchternheit und Sachlichkeit gefragt. Da gleichzeitig Einfühlsamkeit, Fein- und Mitgefühl vorhanden sind, läge eine Tätigkeit im Medizinisch-Pflegerischen nahe. Passen würde aber auch eine Art Sozialarbeit, sich zu bemühen um gesellschaftliche Randgruppen. (Mit Außenseitern wird sich vermutlich deshalb identifiziert, weil einem die Situation des "schwarzen Schafes" nur allzu bekannt ist.)
Als dienstbarer Geist, fleißig und sich nützlich machend, kann und muss normalerweise viel gearbeitet werden. Das Pflichtbewusstsein gebietet, seine persönlichen Bedürfnisse entsprechend zurückzustellen (schließlich geht die "Arbeit vor Vergnügen"). Die zugewiesenen Aufgaben erfordern eine Anpassung an die gegebenen Bedingungen, ein Zurechtkommen mit den jeweils vorliegenden Verhältnissen.
Es herrscht ein pragmatisches Zweckdenken: da schlicht und einfach ökonomischen Zwängen unterworfen, soll ein Job möglichst der Not Abhilfe schaffen, also zuallererst den Lebensunterhalt sichern; deshalb wird ein solcher auch des Geldes wegen gemacht. Befristet oder übergangsweise können also durchaus unterqualifizierte Stellen angenommen werden – etwa wenn bei Frauen Kinder dazwischenkommen und die beabsichtigte Ausbildung noch nicht abgeschlossen ist. Üblich ist eh ein "normales" Beschäftigungsverhältnis (keine Selbständigkeit) - d.h. mehr oder weniger untergeordnet/ irgendwo angestellt zu sein. Ein regelmäßiger Rhythmus, eine gewisse Kontinuität tut einem in jedem Falle gut. Wichtig auf Arbeit wäre Gründlichkeit, exakt, genau und zuverlässig (u.a. pünktlich) zu sein, "langweiligen" oder "lästigen" Kleinkram nicht allzu lange liegen zu lassen, auch einer sog. "Dreckarbeit" nicht aus dem Wege zu gehen. Verlangt ist von einem, letztlich ein korrektes, sauberes Ergebnis abzuliefern, ordentlich zu sein (statt nachlässig), sich ernsthaft und geduldig mit einer Materie zu befassen. Es geht darum, sich gerade in stupiden Wiederholungs- oder Routinearbeiten zu bewähren; so entsteht ein fundiertes Sachwissen bzw. wirkliche Kompetenz, auf diese Weise entwickelt sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ein Experte auf seinem Fachgebiet (Übung macht den Meister). Dabei will insbesondere das Haushalten gelernt sein: die Dinge (wie auch seine Kräfte) einzuteilen, Schritt für Schritt voranzuschreiten.
"Schlamperei" (sich gehen oder hängen zu lassen) ist stets die Folge von emotional Ungelöstem. Und solches hat zu tun mit der "Kopfbetonung", mit dem Übergewicht von Denken, Verstand und Logik: schließlich nehmen Kalkulieren, Planen und Überlegen im Leben meist viel zu viel Raum ein. Den Instinkten wird dagegen nur wenig vertraut, die - obzwar so wichtige - Welt der Gefühle wird eher mit Vorbehalten und Skepsis beäugt; dieser Bereich unterliegt nicht selten den Mechanismen von Verdrängung, Rationalisierung und Kompensation (ehrliche und kritische Selbsterforschung brächte es an den Tag). Doch gerade das Private entpuppt sich häufig als persönliche Schwachstelle - diesbezüglich versagen regelmäßig die zurechtgelegten Rezepte, hier wird man leicht "auf dem falschen Fuß" erwischt und reagiert dann ziemlich unvorbereitet und hilflos. Typisch ist, in privat-familiären Belangen ausgesprochen weich, labil und beeinflussbar zu sein, nachgiebig und inkonsequent, zu vieles passiv geschehen bzw. mit sich machen zu lassen.
Überhaupt kann einem das Unbewusste "ziemlich dicke Striche" durch die Rechnung ziehen. So mögen unerwartet lähmende, sentimental-melancholische Stimmungen von einem Besitz ergreifen. In den Tiefen der Seele lauern dunkle, unergründliche Ängste (auch Alpträume), sowie - leider Gottes - riesige Schuldgefühle. Es können sogar regelrechte Krisen auftreten, d.h. in "Löcher" oder eine Art Leere zu fallen. Und dies alles, weil die Selbstfindung ("wer bin ich?") so kompliziert, die Identität so undeutlich und verschwommen ist, weil kein fester innerer Halt zur Verfügung steht, kein richtiger Boden unter den Füßen.
Zur "Lichtseite" des Unbewussten zählen dagegen die gehegten Sehnsüchte und Utopien - welche sich allerdings mit der "schnöden" Realität schlecht vertragen. Die insgeheim gehüteten Wünsche und Hoffnungen sind im äußeren Leben kaum erfüllbar - so dass es fast zwangsläufig zu bitteren Desillusionierungen kommen muss. Innerlich abgewandt, in sich zurückgezogen, mag dann eine reservierte Vorsichtshaltung der Welt gegenüber entstehen, eine Unsicherheit darüber, was man sich erlauben oder noch wünschen darf. Von solcher grundsätzlichen Enttäuschung ist der Weg nicht weit zu einer existenziellen Verlorenheit, sich innerlich einsam und verlassen zu fühlen, überhaupt unverstanden und ungeliebt, nirgendwo wirklich geborgen.
Minderwertigkeitskomplexe treffen jedoch auch nicht den Kern der Sache. Im Grunde ist einem bloß eine ungewöhnliche Sensibilität zu eigen, eine ausgesprochen introvertierte und intuitive Natur, in seinem Herzen verträumt, verletzlich und scheu zu sein - weshalb es auch aufzupassen heißt: jede Leistungsfähigkeit auf Kosten der Empfindsamkeit lohnt auf Dauer nicht!
Die "Andersartigkeit" des inneren Wesens (im Vergleich zu Otto-Normalverbraucher) lässt sich auf lange Sicht sowieso nicht unterdrücken oder verbergen. Der verzweifelte Versuch, sich - als sog. "Problemkind" - den gängigen Normen und Konventionen einzufügen, muss früher oder später scheitern. Die Frage wäre weniger, ob es klappt, den gesellschaftlichen Anforderungen zu genügen, sondern ob und inwieweit diese einem tatsächlich gemäß sind. Oft ist es am besten, von vorneherein nicht zuviel an - fremden, unangebrachten - Lasten zu übernehmen.
"Rechenschaft" ist im Grunde nur vor sich selbst abzulegen - und zwar vor allem über die dem eigenen Tun zugrunde liegenden Motive. Diese wären intensiv zu hinterfragen und zu reflektieren, sprich: die dahinter steckenden eigentlichen Bedürfnisse und Nöte gelte es herauszufinden. Übersicht und Ordnung hieße es in erster Linie im eigenen Leben herzustellen (anstatt bei anderen), d.h. das verwirrende seelische "Chaos" aufzuräumen, Erlebtes/ einem Widerfahrenes ordentlich zu verarbeiten. Hineinzuleuchten in den Abgrund der eigenen Psyche wäre die von einem zu bewältigende Aufgabe, Klarheit und Bewusstheit über seine Innenvorgänge zu erringen (so weit als möglich), diese zu untersuchen und zu prüfen, achtsam zu sein bezüglich dessen, was jeweils gerade in einem abläuft (auch an vermeintlich Negativem). Wichtig bei dem Ganzen wäre, die zueigene irrationale Seite zu akzeptieren: die auftauchenden Phantasien, Assoziationen, Inspirationen, usw. nicht nur als "versponnen" abzutun, sondern sie in das äußere Tun irgendwie zu integrieren, sie zumindest ein Stück weit in den Alltag einfließen zu lassen (ohne sie wortwörtlich zu nehmen). Bei genauerer Betrachtung sind die Anregungen des Unbewussten nämlich keineswegs blanker Unsinn; sie erweisen sich für die Erledigung der weltlichen Geschäfte im Endeffekt manchmal als erstaunlich hilfreich und dienlich.
Thema Autor Datum/Zeit
Das MC in der Jungfrau Richard Vetter 22. Januar 2017 17:58



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