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Das MC im Stier
avatar 26. Dezember 2016 19:42
Lebensziel ist eine "Verwurzelung", sich zu verankern in der Welt, in ihr Sicherheit, Festigkeit und Stabilität zu erringen. Angestrebt wird, sich von seiner Berufung auch tatsächlich ernähren zu können, durch sie eine materielle Existenzgrundlage zu finden. Nach außen hin ein solider Charakter, ruhig, bodenständig, zuverlässig und treu, steckt hinter der "lieben und braven" Fassade eine doch recht starke Triebnatur, herrschen im Inneren Sinnlichkeit und Leidenschaft, ungestillte Bedürfnisse und Nöte. In der Tiefe brodelt es gewaltig, drängen intensive Wunschvorstellungen ans Tageslicht, nagt ein emotioneller Hunger, existieren Unzufriedenheiten und Unausgegorenes; auch Hass. Insgeheim praktisch ein Vulkan, käme es darauf an, seine - manchmal extremen - psychischen Spannungen einigermaßen zu beherrschen, die zerreißenden Seelenkämpfe tragfähig und dauerhaft in den Griff zu bekommen.
Beharrlichkeit und Zähigkeit zeichnen einen aus, an einer Sache wirklich dranbleiben zu können. In der Tat ist in etlichen Lebenslagen schlichtweg Geduld von einem gefragt, d.h. an den Dingen kontinuierlich, langsam und stetig zu arbeiten. Gelingt dies, gedeihen die "Früchte" der ausgeübten Beschäftigung wie von selbst bzw. dann entwickeln sich die für einen speziellen Eigenschaften und Qualitäten prächtig, wird man wird fast automatisch zu einer Kapazität auf seinem Fachgebiet. Die Schattenseite der phänomenalen Ausdauer ist allerdings, manchmal etwas auch liegen zu lassen, dessen Erledigung auf die lange Bank zu schieben.
Eine große Rolle spielt die Bezugsgruppe; sie gibt einem den entscheidenden Rückhalt, die benötigte Stütze im Leben. Überhaupt sollte die Bedeutung von Faktoren wie gesellschaftliche Position, Status und Etikette nicht unterschätzt werden - bringen diese einem doch menschliche Anerkennung, sowie die erforderliche Bestätigung des Selbstwertes.
So sehr die Einbindung in eine Gemeinschaft auch gewünscht, so gern Verantwortung für andere übernommen wird, heißt es aber doch aufzupassen, dass bei einer "Aufopferung" keine unzulässige Vereinnahmung ("Versklavung") erfolgt oder es gar zu einer Korruption der von einem hochgehaltenen Werte kommt. Vorsicht vor jeglicher Selbstaufgabe (etwa nur um dazu zu gehören)! Grundsätzlich gilt es, der eigenen Natur treu zu bleiben - d.h. zwischen sich und anderen auch entsprechende Trennlinien zu ziehen, sich auch von seinen Begleitern (Kollegen und Mitstreitern) deutlich abzugrenzen. Gut wäre eine gewisse Eigenständigkeit, sprich: seinen Eigenraum zu wahren (bei aller Nähe oder gar Intimität), sowie diesen geachtet und respektiert zu wissen, einen ungestörten Platz ("nur für mich alleine") zu besitzen. Jedes symbiotische (bloß dem Zusammenhalt als solchem nützliche) "Pflichtbewusstsein" für eine Gemeinschaft ist tödlich für die Individualität - und dient letztlich keinem.
Kritisch sind gerade die von einem selbst gehegten Erwartungen und Ansprüche – welche unversehens in Abhängigkeiten (oder gar Machtspiele) ausarten können. Achtung: Wer sich zu sehr auf etwas oder jemanden fixiert, beispielsweise aus "lieber", "alter" Gewohnheit an einem Partner (oder an dem von ihm aufgebauten Vorstellungsbild) auf Teufel komm raus festhält, dem bleiben böse Überraschungen selten erspart.
Aus der Kindheit resultieren so einige für einen typische Prägungen und Empfindungsmuster - auch problematischer Natur. Diese "Komplexe" müssen im Verlaufe des emotionalen Erwachsenwerdens allmählich aufgelockert und überwunden werden. Doch heißt es hierbei keinesfalls gewaltsam vorzugehen, nichts übers Knie zu brechen; vielmehr jeweils den natürlichen Reifungs- und Ablöseprozess vertrauensvoll abzuwarten. Fundamentale seelische Wandlungen (psychische "Krisen") sind im Leben ja praktisch unvermeidlich. Dabei "sterben" die auf rein Vordergründiges gerichteten Gelüste jedoch fast von selbst (was am Ende übrig bleibt, ist die Substanz) - und zwar dann, wenn diese erst einmal hingenommen (bei einem selbst toleriert) werden. (Merke: es hat nur derjenige wahren Charakter, der auch zu seinen vermeintlich negativen Seiten steht.) Ein bedeutsamer Punkt in diesem Zusammenhang ist das körperliche Befinden - sich in seiner Haut schlichtweg wohl zu fühlen. Sich guten Gewissens auch mal etwas zu gönnen (sich "fleischlichen Genüssen" nicht zu versagen), trägt maßgeblich zur Selbstakzeptanz bei - mögen einen andere auch als "satten, bequemen Lustmolch" oder dergleichen verspotten.
Das Dunkle und Bedrohliche im persönlichen Unbewussten sollte in die "heile Welt" des Oberstübchens möglichst integriert werden. Als Trost in den dazu notwendigen inneren Prozessen kann folgende Überlegung hifreich sein: Unangenehm und schmerzhaft sind emotionale Reinigungen und Umwälzungen nur, solange man sich gegen Veränderungen sträubt. Werden die damit verbundenen seelischen "Wandlungen" oder "Häutungen" jedoch in ihrem Sinn und Zweck grundsätzlich eingesehen und bejaht, lassen sich dadurch ungeahnte Schätze entdecken, offenbart sich in dem auf den ersten Blick Unappetitlichen ("Schmutzigen") der Keim einer neuen Kreativität - und Liebe.
Thema Autor Datum/Zeit
Das MC im Stier Richard Vetter 26. Dezember 2016 19:42



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