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Die Sonne in der Waage
06. November 2016 17:42
Gegeben ist ein Sinn für Musisches, für Ästhetik und Schönes, sozusagen für die "Leichtigkeit des Seins". Alles Geistige, u.a. Denken und Verstand sind ausgeprägt, man ist in der Lage, etwas wirklich objektiv zu sehen - gerade auch von der eigenen Person abstrahieren, sich gewissermaßen außerhalb seiner selbst stellen zu können. Entsprechend erleben einen andere als sehr angenehm, als ihnen aufmerksam zugewandt; sie spüren hinter der zueigenen freundlichen und umgänglichen Art viel Wärme und Herzlichkeit; die ihnen entgegengebrachte Höflichkeit ist keine leere Floskel, keine bloße Fassade. (Da relativ weich und feinfühlig, kann sich allerdings fast zu sehr in andere Leute hineinversetzt werden.)
Eine soziale Ader pulsiert in einem, Altruismus und Hilfsbereitschaft sind stark entwickelt (wobei im Einzelfall aber Vorsicht walten sollte, dass durch ein Engagement keine falschen Erwartungen geweckt werden, dass sich der- oder diejenige nicht zuviel von einem verspricht). Sehr auf ein Gegenüber bezogen (um nicht zu sagen 'angewiesen'), spielen Verbindungen ("Connections" ) eine Schlüsselrolle im Leben, d.h. über einen guten Draht zu vielen Menschen zu verfügen. In Gemeinschaften wird regelrecht aufgelebt - und bevorzugt in einem Team, d.h. mit anderen zusammen gearbeitet. Der eigentlich positiv zu wertende Wunsch, der Welt seine "Sonnenseite" zu zeigen, geht leider desöfteren einher mit der quälenden Furcht "nicht anzukommen"/ in seinem äußeren Erscheinungsbild abstoßend zu wirken, etc. Diese grundlegende Angst vor Ablehnung bzw. Sympathieverlust ist mitverantwortlich für die typische Konfliktscheu; auch deswegen soll keiner verprellt, niemandem weh getan werden. Gewalt, Grobheit und Härten wird eh am liebsten aus dem Weg gegangen, Konfrontationen und Streit werden nach Möglichkeit vermieden, oft sogar zwischen Dritten zu schlichten ("harmonisieren" ) versucht.
Kritisch und bedenklich wird so ein Verhalten immer dann, wenn es auf eine Selbstverleugnung hinausläuft, wenn es bedeutet, sich zu sehr nach einem Außen zu richten/ sich fremde Maßstäbe (oder auch Probleme) zu eigen zu machen. Denn jedes "Nicht-bei-sich-sein" birgt ja die Gefahr, dass - gerade in einer empfindsam-labilen Verfassung - andere einen erheblich aus dem Gleichgewicht zu bringen vermögen, schlimmer: dass sie einen negativ beeinflussen, gründlich verstimmen und natürlich verletzen können. Ein nahezu unvermeidliches Manko ist auch die Handlungsschwäche: d.h. prinzipiell eher indirekt und passiv zu (re-)agieren, in seinem Tun einfach gewisser Anstöße oder Anforderungen von außen zu bedürfen. Die berühmt-berüchtigte Waage-Schwierigkeit, sich zu entscheiden und definitiv festzulegen, rührt hingegen vor allem von der "Kopfbetonung" her - welche dazu verleitet, sich mehr in theoretischen ("potentiellen" ) Welten aufzuhalten (mitunter "auf rosa Wolken zu schweben" ) als in der faktischen, konkreten Realität.
Es kann nicht angehen, anderen alles recht machen zu wollen. Eine klare Abgrenzung ist so manches Mal bitter notwendig (in seelischer Hinsicht sogar fast immer lohnend und fruchtbar). Das individuelle, ureigene Anliegen sollte in keiner Situation vernachlässigt oder vergessen werden. Auch bei aller "Zweisamkeit" gelte es doch stets innere "Rücksprache" zu halten, sich zu vergewissern, was das Herz wirklich will - sowie seine insgeheim gehegten Wünsche tatsächlich zu äußern (was ja nicht heißt, dass diese unbedingt erfüllt werden müssen). Wenn die Psyche nämlich ständig den Eindruck gewinnt, in allen wesentlichen Fragen zu kurz zu kommen, sucht sie sich irgendwelche versteckten/ unbewussten Kanäle, geht das Ego "krumme", "verkomplexierte" Wege.
Bitte beachten: "Begegnung" hat keiner Selbstaufgabe gleichzukommen, sondern bedeutet gerade auch Auseinandersetzungen, d.h. vom anderen durchaus etwas verlangen zu können. Überhaupt: Konflikte gehören schlicht zum Leben dazu, sind darin mehr oder weniger vorprogrammiert (vom Schöpfer eingeplant). Wirkliche Übereinstimmung und Harmonie existiert nirgends von vorneherein, sondern muss immer erarbeitet werden - wobei die unterschiedlichen Ausgangspositionen jeweils kenntlich zu machen und auch - zumindest verbal - zu behaupten wären. (Das Ideal eines gerechten, symmetrischen Ausgleichs zwischen Fremd- und Eigeninteressen lässt sich nur annähernd, nie vollkommen realisieren.)
Generell sollte überlegt werden, ob für das Selbstverständnis eine ("die" ) Partnerschaft unbedingt das wichtigste Thema sein muss. Denn eigentlich wären im Leben vielerlei (und die verschiedenartigsten) Beziehungen zu pflegen; es können und dürfen etliche Hände ergriffen werden, im Austausch mit denen die Liebe strömt. Mit anderen Worten: es kommt mehr auf ein Verwirklichen und Gestalten der ideellen Werte an, weniger auf einzelne Dinge oder bestimmte Personen.

Gruß,
Richard
Thema Autor Datum/Zeit
Die Sonne in der Waage Richard 06. November 2016 17:42



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