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Die Sonne in der Jungfrau
30. Oktober 2016 14:49
Aufgabenstellung im Leben ist es, stets eine durchdachte, sorgfältige und gründliche Arbeit abzuliefern, sich zu bemühen um eine gute Qualität bzw. um Genauigkeit und Exaktheit im Tun. Dies dient dazu. sich genügend Sachverstand anzueignen, sich zum Fachmann oder Spezialisten eines Gebietes zu entwickeln. Zwar bedarf es dazu so einiges an Übung und Wiederholungen. Doch am Ende kann "als Routinier" das ganze erworbene Erfahrungswissen zum Vorschein gebracht oder ausgespielt werden.
Vorhanden ist die Gabe, sich auf die jeweiligen Umstände flexibel einstellen zu können/ die unterschiedlichsten Bedingungen zu berücksichtigen, kurzum: anpassungsbereit mit Verhältnissen umgehen zu können (pragmatisch mit den speziell aufgeworfenen Erfordernissen und Fragestellungen stets irgendwie fertig zu werden). Der oft zu beobachtende Fleiß und die Emsigkeit mögen aber auch das Gegenteil hervorrufen - nämlich eine übersichtslose Hektik, sich mit immer mehr Beschäftigungen einzudecken. Dabei stünde die Fähigkeit zum Haushalten doch eigentlich zur Verfügung, d.h. seine Kräfte wirtschaftlich einzuteilen, die verfügbaren Ressourcen zweckmäßig einzusetzen!
Bei alledem registriert die exzellente Wahrnehmungsgabe selbst kleinste Nuancen und Feinheiten; insbesondere emotionale Angelegenheiten können differenziert diagnostiziert, sauber auf Zwischentöne hin analysiert werden. Die unzweifelhafte Fähigkeit zur - bisweilen peniblen - Selbstbeobachtung wird allerdings meist begleitet von problematisierenden Selbstzweifeln, von einer Neigung zur seelischen Verunsicherung; im Verein mit dem Perfektionsstreben zieht die an sich lobenswerte Selbstkritik gerne einen "Rattenschwanz" von Unzufriedenheiten und Missmut nach sich.
Die hohen Anforderungen und Erwartungen werden an andere Leute im Grunde genauso gestellt. Ein Gegenüber wird in der Regel ausgiebig untersucht und geprüft, sozusagen skeptisch "beäugt" (wobei der Blick nicht immer auf das Wesentliche fällt). Prinzipiell ist - aus einer diffusen Ängstlichkeit, einem vagen Sicherheitsbedürfnis heraus - das zwischenmenschliche Verhalten als eher vorsichtig und reserviert zu bezeichnen. Doch wird auch den eigenen Empfindungen nicht sonderlich getraut. Oft nimmt die Kopfbetonung auf eine lästige Weise überhand. Das ständige Überlegen - was alles passieren könnte, was noch erledigt werden müsste - mag gar ausgewachsene Zwänge und Drucksituationen hervorrufen, kann einen in erhebliche Erregung, in eine nicht abzuschüttelnde Unruhe und Nervosität hineinmanövrieren.
Merke: Vernunft und Verstand haben naturgemäß ihre Grenzen. Dem spontanen Aufkeimen von Gefühlsregungen und dem prozesshaften Fließen alles Lebendigen wird ein nüchternes, "trockenes" Denken nie wirklich gerecht. Auch kann keinerlei Vorsorge oder "geistige Vorarbeit" eine seelische Erfüllung garantieren, kann das ersehnte "Paradies" nie herbeizwingen. "Glück" ist schlechterdings nicht kalkulierbar, lässt sich unmöglich planen. Sich übertrieben in "reinen", idealen Wunschvorstellungen zu bewegen, beseitigt keine innere Not und Einsamkeit; solches verschärft eher noch die Diskrepanz zur Realität, verschlimmert im Endeffekt also das Leid. Überdimensionierte Hoffnungen provozieren höchstens Eskapaden/ gewisse Ausbrüche aus einem vermeintlich "tristen Alltag": als Symptom der unversöhnlichen Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit kommt nämlich sporadisch immer wieder eine ziemlich exzessive und leidenschaftliche Seite an einem zum Vorschein - was in der Folge logischerweise die Auseinandersetzung mit Schuldthemen und -komplexen auf die Tagesordnung bringt. Und nicht selten bleibt auch noch etwas "moralisch Anrüchiges" an einem hängen.
Psychische (und psychosomatische) Krisen sind im Lebensverlauf praktisch unvermeidlich; genaugenommen sind diese für die eigene Entwicklung sogar unabdingbar, ausgesprochen nützlich und fruchtbar. Dunkel-Schattenhaftes in einem, bzw. unverarbeitete Inhalte und Erfahrungen des Lebens gelte es deshalb möglichst nicht zu verdrängen oder nur rationalisierend zuzudecken, sondern den Dingen auf ihren (letztlich positiven) Grund zu gehen - sowie sein Selbstbild dementsprechend zu erweitern. Bezüglich des tagtäglichen Handelns wäre generell wichtig, die inneren Impulse mehr zuzulassen, seine bewusste Steuerung ab und an aufzugeben; d.h. sich dem Risiko des Ungewissen mehr probieren auszusetzen. Auch sich dem Walten höherer Mächte vertrauensvoll zu überantworten, ein Stück weit hinzugeben.

Gruß,
Richard
Thema Autor Datum/Zeit
Die Sonne in der Jungfrau Richard 30. Oktober 2016 14:49



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