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Die Sonne in den Zwillingen
09. Oktober 2016 12:33
Der Verstand ist wach und aufgeweckt, es herrscht Interesse an vielerlei Dingen, insbesondere am aktuellen Tagesgeschehen. Selbst im hohen Alter bleibt der Geist jung und wendig, will sich gewissermaßen mit Lerneifer informieren und orientieren, möchte einfach Bescheid wissen über die Welt (was so ganz nebenbei geschickt die Intelligenz schult). Kontaktfreudig, besteht Aufgeschlossenheit für die Umgebung, wird die Nähe von Geschwistern und Verwandten, von Nachbarn und Bekannten gesucht.
Im Typus bzw. im Verhalten ist das Mentale (der "Kopf" ) betont: den Redefluss, noch mehr den Gedankenstrom, fällt es bisweilen schwer zu stoppen. Schlagfertig und gewitzt ("nicht auf den Mund gefallen" ) können einem gerade auch Bemerkungen spitzer, schnippischer Art entweichen. Das Bedürfnis von seinen Erlebnissen zu erzählen, sich anderen zu vermitteln oder darzustellen, bedarf allerdings geeigneter Ansprechpartner, der passenden Zuhörer. Eine Selbstinfragestellung, zumindest eine persönliche Verunsicherung, tritt immer dann auf, wenn die "Tür" zu Leuten verschlossen, die Gelegenheit sich mitzuteilen verwehrt scheint. Und so manches Mal überdeckt die hektische Geschäftig- und Betriebsamkeit eine innere Unruhe und Nervosität. Offen gesagt, hinter jedem "Abwechslungswunsch" steckt nicht nur das Fliehen von Langeweile, sondern nicht selten auch ein Ausweichen vor sich selbst: die Neigung, sich in (oberflächliche) Zerstreuungen zu stürzen, ist leider Gottes nicht von der Hand zu weisen. Dabei liegen der Ablenk- und Beeinflussbarkeit sowie der häufig zu beobachtenden Unentschlossenheit gern emotionale Probleme zugrunde.
Die gehegten Meinungen und Urteile bewegen sich oft entlang von Schwarz-Weiß- (bzw. Positiv-Negativ-)Kategorien; die angestellten Überlegungen bleiben relativ leicht am Kurzsichtig-Vordergründigen hängen - was natürlich dazu führen kann, das Eigentliche oder Ganze jeweils aus dem Bick zu verlieren ("den Wald vor Bäumen nicht zu sehen" ). Die Dominanz von Denken und Planen beeinträchtigt generell die Gefühlsspontaneität, u.a. auch die Hingabefähigkeit. Überhaupt verdrängen Skepsis und Zweifel gerne Glauben und Vertrauen - in bezug auf einen selbst wie auf andere.
Es sollte nie vergessen werden, dass in sämtlichen Geschehnissen ein tiefer Sinn verborgen liegt, dass alles eingebettet ist in größere Zusammenhänge! (Zwischen Himmel und Erde gibt es mehr Dinge als der kleine Verstand sich zu erträumen wagt.) Solche (metaphysischen) Erkenntnisse steigen paradoxerweise gerade dann in einem auf, wenn - der persönlichen Eigenart getreu - versucht wird, eine Sache möglichst unvoreingenommen wahrzunehmen bzw. sie nüchtern zu bilanzieren.
Deshalb ginge es (als Voraussetzung) erstmal darum, seine innerseelischen Vorgänge möglichst neutral und objektiv zu registrieren (ohne sie gleich abzuwehren oder vorschnell mit einem Etikett zu versehen). Auf diese Weise können die tatsächlich auftretenden Empfindungen und Gefühle (sowie Ängste) schrittweise zugelassen, wenigstens jedoch zutreffend benannt (artikuliert) werden. Im Verlaufe dieses Reflexionsprozesses ersteht dann erneut die ursprüngliche (kindliche) Zuversicht, blüht wieder frisches Selbstvertrauen auf, verflüchtigen sich alle Schreckgespinste; dann vermag kurzum das unbekümmerte, von Sorgen unbelastete Herz hervorzutreten, die ureigene, gesund-lebendige Neugier auf die Welt.
Thema Autor Datum/Zeit
Die Sonne in den Zwillingen Richard 09. Oktober 2016 12:33



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