Erweiterte Suche
Hallo! Einloggen Ein neues Benutzerkonto anlegen
Yes!
22. November 2016 08:26
Schön auf den Punkt gebracht und als Zugabe noch geschmeidig zu lesen und weil ich es ebenso sehe, aber er sich die Mühe gemacht hat, es auszuformulieren hier hinein kopiert aus Facebook, das ab und zu doch mal Lesenswertes liefert:




"Yes!
Sie macht es noch einmal! Die „55 Prozent der Wähler“ (Meinungsforschungsinstitute), die Angela „letzte Verteidigerin westlicher Werte“ Merkel vier weitere Jahre im Amt sehen wollen, machen Dickefetteparty auf den Straßen! Ohrenbetäubender Feierlärm! Eine Stimmung wie beim Mauerfall: Sie macht es noch einmal. Hurra! Das wären dann am Ende sechzehn Jahre Amtszeit für Kohls Mädchen. Ich erinnere mich noch lebhaft und gerne daran, dass die letzten vier Jahre der Kanzlerschaft von Helmut Kohl die allerbesten waren. Jetzt können wir in tollen Diagrammen zusammenfassen, wieviele Staatschefs und Weltenlenker die Kanzlerin bereits „überlebt“ hat und noch "überleben" wird. Wir können uns in der beruhigenden Gewissheit ins Bett fallen lassen, dass wir uns um die Besetzung der Ämter des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers keine Sorgen mehr machen müssen. Alles geregelt. Schon vor dem Superwahljahr 2017, da will man lieber nichts riskieren.
Wer soll es denn sonst machen? Gibt ja niemanden.
Jetzt muss es noch Sigmar Gabriel für die SPD machen. Man munkelt, er zaudere. Allein der Gedanke daran: Merkel gegen Gabriel! Das rüttelt auf, das macht mobil, wie eine Überdosis Propofol. Werden sich die beiden Schlachtschiffe mangels gröberer programmatischer Differenzen eine Schlacht um Äußerlichkeiten liefern? Wessen Frisur ist geiler? Wer hat die schickeren Sakkos? Es wird so spannend!
Merkel gegen Gabriel, das fühlt sich immer an wie „Hillary Clinton“: Es ist so inspirationslos, es ist so alternativlos. Und an dieser Stelle lachen dann die Petrys und Gaulands und Höckes, wackeln mit den Augenbrauen und locken die Gelangweilten, die Frustrierten und Abgehängten ins Hexenhäuschen: „Haha, doch, doch, es gibt eine Alternative. Uns! Kommt herein! Wir sind es, die humorlosen Autoritären, die Noch-nicht-ganz-Faschos, die pressescheuen Identitären! Wählt uns! Wir machen Deutschland great again!“ Und dann sitzt da ab 2017, gebaut auf einem stabilen Fundament aus Fake News (oder nennen wir es beim Namen: Lügen), Angst und Internethass, eine fette Bundestagsfraktion der „Neuen Rechten“. Da wird Mario Barth aber überrascht in die Handykamera blinzeln. „Nanu, wo kommen die denn her? Gestern waren die noch nicht da.“
Wenn die Wahl des durchgeknallten Lügners, Betrügers, mutmaßlichen Sexualstraftäters und Musicalkritikers Donald Trump zum mächtigsten Mann der Welt eines lehrt, dann doch, dass der Rückzug in die Bequemlichkeit der vermeintlichen Alternativlosigkeit, das völlig ungerechtfertigte Vertrauen auf die Macht des Bekannten und die Wette darauf, dass die Erstarrtheit, die man dem Wähler als Stabilität verkaufen will, nichts ausrichtet gegen Demagogen und Populisten. Oder, anders: Wenn sich ein „elitäres Establishment“ vom „Volk“ abkoppelt, sollte man nicht glauben, dass dieses „elitäre Establishment“ das von alleine und zuerst merkt.
Als der dicke Oggersheimer reif zum Absägen war, schrieb sein Mädchen einen Brief an die FAZ und die Sache war geritzt. Wenn es eines Tages, egal in welcher Regierungspartei, zu einem parteiinternernen Schmuseputsch wie 1999 kommen sollte, könnte es zu spät sein. Nazis warten nicht darauf, dass jemand reif zum Absägen ist. Sie sägen. Immer und überall. Die Feinde der Demokratie sind schneller und mächtiger und geben nichts auf „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Wir klären das unter uns“. Und die Tatsache, dass ihnen demokratische Gepflogenheiten, der gute Umgang mit "Altparteien" und Geschäftsordnungen und Gesetze in ihrem unbedingten Drang zur Macht egal sind, macht es umso wichtiger, echte Alternativen, neues Personal und grundsätzlich neue Ansätze aus dem Bekannten heraus zuzulassen und auszubauen. Macht aber keiner irgendwie. Man ist ja an der Macht. Oder will es ab 2017.
Wir müssen alle aktiv werden, sagen sie dann. Die junge, internetaffine Generation muss sich politisieren und engagieren, hört man so. Man soll in Parteien eintreten und mitmischen. Wir müssen die Filterbubbles und Echokammern verlassen und so. Doch wenn das vorderste politische Ziel Machterhalt, die dringlichste Aufgabe die Verwaltung der politischen Unbeweglichkeit und die inspirierendste Kraft der Konsens sein soll, blubbert eben allenfalls mal einen Jens Spahn nach oben. Muss man auch wollen und können, schwul sein in der CDU. Applaus dafür. Jede Lust an Demokratie zerschellt an der eingeübten Wegverwalterei der #Groko. Es wird abgemanagt, man hat viel zu tun. Übrigens: Frank-Walter macht Bundespräsident, alle okay damit, gut. Dann ist das so.
Wer soll es denn sonst machen? Gibt ja niemanden.
Wahl wäre im Februar. Man freut sich ja beinahe über die halbinszenierten parlamentarischen Gefühlsausbrüche von Christian Lindner (FDP, NRW), weil die wilden Grünen vor lauter Realo-Sondiererei wegen 2017 vollends in der programmatischen Suppe abgetaucht sind. Endlich mal zumindest die Behauptung echter Gefühle.
Was, wenn wir gar nicht diejenigen sind, die ihre Echokammern und Fillterbubbles verlassen müssen? Weil man irgendwie fühlt, dass was nicht stimmt. Dieses taube Gefühl des „Was kommt jetzt eigentlich?“, die dumpfe Ahnung von „Irgendwas wird passieren!“.
Es klebt und bewegt sich nicht, und davon ernährt sich die AfD. Es sieht nicht so aus, als finge jemand demnächst mal an, selbstbewusst, offensiv und nahbar für seine Lösungen einzustehen. Ohne Rücksicht auf den politischen Gegner. Als hätte jemand Lust, den machterhaltenden Konsens zu verlassen und auf die Kacke hauen, dass es spritzt. Dissens, Dissens, Dissens! Diskurs, Diskurs, Diskurs! Mit Streit geht es weiter. Nicht mit Füße still halten. Und wer an der Macht ist, ist unwichtig, solange es nicht die humorlosen Menschenfeinde und rücksichtslosen Unterdrücker sind.
Es fühlt sich alles nicht so gut.
Wer verhindert eigentlich nächstes Jahr Marine Le Pen in Frankreich?
Wenn pure Vernunft niemals siegen darf, wann kommen dann endlich die dringend gebrauchten, aber vor allem: vernünftigen Lügen?
Hoffentlich bin ich nur ein doofer Dampfplauderer und meine Ahnung, dass das alles wirklich so ist, wie es scheint, ist wirklich nur die Einbildung des sich selber überschätzenden Fernsehcomedians bei Facebook.
Grüße, Euer Til Schweiger !!!!!!!!!!!"


von Jan Böhmermann



1-mal bearbeitet. Zuletzt am 22.11.16 14:16. (Änderungen ansehen)
Thema Autor Klicks Datum/Zeit
Yes! kalypso 327 22. November 2016 08:26
Das weisse Haus ist für mich nur ne Zwischenstation, Video Attachments kalypso 158 22. November 2016 19:47
Re: Yes! Christian12 201 02. Dezember 2016 13:30



In diesem Forum dürfen leider nur registrierte Teilnehmer schreiben.

Klicken Sie hier, um sich einzuloggen