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Das magische Weltbild der Astrologie
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TJK
28. August 2013 00:25
Hi @lle,

ob die Sterne unser Schicksal leiten? Falls ja, dann sicherlich nicht mit irgendwelchen Strahlen, die von den Planeten unseres Sonnensystems auf uns einwirken. Eher könnte ich mir da Engel vorstellen, die uns unhörbar zuflüstern ...

Heinrich Bessler hat sich mit solchen Fragen in einem Aufsatz beschäftigt, dessen erste fünf Absätze hier zitiert sind. Der ganze interessante "Rest" seiner Überlegungen ist am Ende dieses "Intro" verlinkt ... Ich empfehle die Lektüre sehr!

==> [astrologix.de]

Zitat
Heinrich Bessler
Vor rund hundert Jahren wurde die Astrologie wiederentdeckt, nachdem sie einige Generationen hindurch in Vergessenheit geraten war. Zur gleichen Zeit fanden die verschiedensten okkultistischen Ideologien regen Zuspruch. Geheimgesellschaften, Zirkel und Logen aller Art entstanden vielerorts. Die Theosophie und ihr verwandte Richtungen etablierten sich überall in der Welt, und selbst der Spiritismus fand eine große Anhängerschaft und wurde in Deutschland durch die Publikationen von Carl du Prel [1] philosophisch unterbaut. Im Gegensatz zu früher wandte er sich jetzt an das Bildungsbürgertum und wurde fast salonfähig.

All diese weitgestaffelten Versuche, zu einer Neuorientierung zu gelangen, waren im Grunde nichts anderes als Fluchtbewegungen. Der naive Fortschrittsglaube der letzten Jahrzehnte hatte sich überlebt, und die mit ihm verbundene Euphorie war längst dahingeschwunden. Man erkannte, daß auch Ernst Haeckel die Welträtsel nicht hatte lösen können, und die Befürworter des Positivismus nicht minder[2]. Ja, man sah ein, daß mit den großen Entdeckungen und Erfolgen der Naturwissenschaften die Lücken unseres Wissens nur größer und alle Probleme unlösbarer geworden waren. Viele dieser neuen Bewegungen nahmen ohne Frage die Funktion von Ersatzreligionen an. Der in Dogmen und Riten erstarrte Kirchenglaube, dazu noch in einer Sprache vorgetragen, die eher abstieß als anzog, trug viel dazu bei.

Diese Entwicklung setzte sich im 20. Jahrhundert fort. Schon der Jugendstil der Jahrhundertwende löste sich von dem ideenarmen Naturalismus der vergangenen Epoche. Ihm eng verbunden waren die Wandervogelbewegung und die neu entstandene Freikörperkultur. All diese Richtungen, die vor allem bei der jungen Generation großen Anklang fanden, sind symptomatisch für das Unbehagen an einer technisierten und kommerzialisierten Welt. Heute ist es nicht anders. Studentenrevolte und Hippiekult, die Zuflucht zu Drogen und Jugendsekten, weisen in dieselbe Richtung, ebenso das Bemühen um Gesellschaftsveränderung und eine alternative Lebensführung.

Unter allen diesen Bewegungen nimmt die Astrologie eine Sonderstellung ein. Das nicht nur wegen ihrer Herkunft. Schließlich ist der Lauf der Gestirne im frühen Altertum, wenn man von nautischen Zwecken der seefahrenden Völker absieht, fast ausschließlich aus astrologischen Gründen beobachtet worden, wobei man hier allerdings sagen müßte, zu mantischen Zwecken. Die klassische Astrologie, wie wir sie kennen, enstand erst später in der hellenistischen Zeit und hat Jahrhunderte hindurch immer wieder Menschen in ihren Bann gezogen.

Schon damals stellte man sich die Frage, welcher Art denn die Beziehungen zwischen Mikro- und Makrokosmos seien. Bei den meisten antiken Autoren und übrigens auch bei den Renaissance-Astrologen vermischen sich magisch-harmonikale Ideen mit unzulänglichen Versuchen einer naturkausalen Erklärung astrologischer Vorgänge. So etwa bei Poseidonios von Apameia (135 - 51 v.Chr.), dem Lehrer Ciceros, der in den Planeten Träger einer, man müßte sagen, magischen Kraft sah, die entsprechend den Proportionen ihrer Bewegungen alle Vorgänge regierten. Auch wenn zweihundert Jahre später Ptolomaeus von den Strahlen der Planeten spricht, dürfen wir das kaum mit jener Vorstellung von Strahlen verbinden, wie sie die Naturwissenschaft kennt. Vieles ist rein symbolisch zu verstehen, so etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, wenn ein Planet als "verbrannt" bezeichnet wird, weil er in einem Abstand von 7 oder 8 Grad bis zu 16 Bogenminuten von der Sonne entfernt steht.

==> [astrologix.de]

Herzlich Willkommen auf "dem Weg"!...

& Tschüss,
TJK

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"On ne perd pas son temps en recherchant à quoi d'autres ont perdu le leur." (Auguste Bouché-Leclercq)
"Was juckt es die Eiche, wenn sich der Eber / die Wildsau an ihr reibt?" (Deutsche Sprichwörter)
Thema Autor Datum/Zeit
Das magische Weltbild der Astrologie TJK 28. August 2013 00:25



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