Leseprobe: Finsternisse astrologisch deutenWer hat nicht schon einmal in einer Vollmondnacht das Naturschauspiel beobachtet, wie sich der Mond verfinstert und für einige Zeit stockfinstere Dunkelheit herrscht? Seltener hingegen kann man die gespenstisch anmutende Dunkelheit und die unheimliche Stille einer totalen Sonnenfinsternis erfahren, die ganz plötzlich mitten am Tag innerhalb weniger Minuten eintritt. Im Sommer 1999 werden wir in Mitteleuropa seit langer Zeit wieder einmal die Gelegenheit haben, eine totale Sonnenfinsternis zu erleben. Diese Finsternis wirft schon seit langer Zeit ihre Schatten voraus. Schließlich ist sie eines der wenigen exakten astrologisch-astronomischen Ereignisse, die taggenau und im Klartext in den Prophezeiungen von Nostradamus erwähnt werden. Aus astrologischer Perspektive ist diese Finsternis besonders interessant, da mit ihr mehrere Planeten direkt verbunden sind. Diesem außergewöhnlichen Ereignis und seiner Deutung ist ein eigener Abschnitt am Ende dieses Buches gewidmet.
Finsternisse ziehen von allen astronomischen Vorkommnissen die größte Aufmerksamkeit auf sich, da sie für jeden deutlich erkennbar in Erscheinung treten. Daher gehören Finsternisse auch zu den ersten geschichtlichen Ereignissen, die taggenau überliefert wurden. Die historische Geschichtsschreibung hat uns Dokumente mit exakten Daten von Finsternissen in der Vergangenheit hinterlassen. Da wir heute Finsternisse problemlos exakt berechnen können, stellen diese historischen Quellen einen wichtigen Anhaltspunkt zur Datierung geschichtlicher Ereignisse dar. Bereits seit dem Jahr 747 vor unserer Zeitrechnung gibt es Aufzeichnungen über Finsternisse. Bei den Kelten hatten die Menschen bereits eine Regelmäßigkeit in der Wiederkehr von Finsternissen erkannt und bemühten sich, diese schon im Voraus berechnen zu können. Der Astronom Dr. G. S. Hawkins kam aufgrund seiner Beschäftigung mit den englischen Steinkreisen in Stonehenge und Avebury zu dem Schluss, dass bereits um 1500 v. Chr. sternkundige Priester mit Hilfe der berühmten Monolithen Finsternisse beobachtet und vorhergesagt haben.
In früheren Zeiten fürchtete man Finsternisse oft als Vorboten schlimmer Ereignisse. Mondfinsternisse wurden dabei mit Hungersnöten und Naturkatastrophen in Verbindung gebracht, die besonders das Volk betrafen. Sonnenfinsternisse galten hingegen als Vorzeichen für schwierige Zeiten des Herrschers und damit des Landes. In den alten Kulturen in Babylon oder bei den Maya berechneten Priester das Eintreten von Finsternissen voraus, indem sie die Breite des Mondes kurz vor dem erwarteten Neumond beobachteten. Da das Volk diese Ereignisse fürchtete, erwartete man von den Priestern eine Vorwarnung vor deren Eintreten. In manchen Kulturen wurden beim Eintritt einer Finsternis Menschenopfer dargebracht, um sich vor den vermeintlich schädlichen Wirkungen des Schauspiels am Himmel zu schützen. So wurde beispielsweise im 7. Jahrhundert vor Christus in Akkad zum Schutz des Herrschers ein Ersatz-Herrscherpaar eingesetzt, das 100 Tage regierte und dann als Menschenopfer dargebracht wurde. Auch einige römische Herrscher versuchten den Wirkungen von Finsternissen zu entkommen, indem sie ihre führenden Staatsdiener ermorden ließen. Für manche Herrscher wurden Finsternisse zu Gelegenheiten, sich ihrer Feinde oder Konkurrenten zu entledigen.
Angesichts dieser Vorgeschichte, die auf den Finsternissen lastet, darf man sich nicht wundern, dass sie im Allgemeinen mit negativen und dunklen Wirkungen in Verbindung gebracht werden. Finsternisse sind jedoch besser als ihr Ruf, und - wie alle anderen Konstellationen auch - nicht einseitig positiv oder negativ in ihrer Wirkung. Das vorliegende Buch erläutert das breite Wirkungsspektrum von Finsternissen an verschiedenen Beispielen und führt so in die Deutung dieses interessanten astrologischen Gebietes ein.