Warum astrologische Wahlprognosen?
Gedanken zur Bundestagswahl 2009
von Gerhard Lukert
- Stichworte: Astrologie, Bundestagswahl 2009, Prognose, , |
Aus den Reihen der Sektion „Mundan- und Wirtschaftsastrologie“ des DAV waren zu den Bundestagswahlen der Jahre 2002 und 2005 Prognosen entwickelt und auf ASTROLOGIX veröffentlicht worden, die sich im Nachhinein als zutreffend erwiesen haben. Es wurde seinerzeit ferner vorausgesagt, dass die zweite Regierung Schröder vorzeitig beendet werden würde. Aber nach einer nicht eingetroffenen Prognose zur Wahl des Präsidenten der USA im November 2008 (veröffentlicht im MERDIAN), die aus den eigenen Reihen der Astrologie teils mit schadenfroher Häme, teils mit Respekt bedacht worden war, mochte niemand mehr das Thema anrühren, und ich stand eine Zeit lang alleine mit meiner alten Idee, die Wahlprognose vielleicht einmal als kontinuierliches astrologisches Forschungsprojekt etablieren zu können.
Ich bin der Ansicht, dass die Astrologie sowohl von ihren historischen wie auch von ihren theoretischen Grundlagen her auf Prognose hin angelegt ist. Im Übrigen gilt das auch für fast alle Naturwissenschaften, die auf der erfahrbaren Tatsache bauen, dass es stabile und mathematisch fassbare Naturgesetze gibt, deren Wirkungen sich in die Zukunft extrapolieren lässt: Die Stabilität einer Brücke oder das erwartete Ergebnis einer chemischen Reaktion beruhen auf der Annahme, dass das Gravitationsgesetz oder die chemischen Valenzen auch in Zukunft gelten werden, -- genauso wie in der Astrologie die Umlaufperioden der Planeten. Was die Astrologie allerdings von der Naturwissenschaft unterscheidet und so schwierig macht, das ist die Komplexität, die die Astrologie „einzufangen“ versucht. Während die Naturwissenschaften zur Aufdeckung von Naturgesetzen alle Unwägbarkeiten und Zufälle im Experiment ausschalten und einen Sachverhalt auf seine elementarsten Komponenten reduzieren, ist das Anliegen der Astrologie gerade das Gegenteil: Sie versucht äußerst differenzierte und komplexe Strukturen in ihrer Ganzheit abzubilden und das Gefüge ihrer wechselseitigen Wirkstrukturen zu erhellen. In dem Augenblick, in dem die Naturwissenschaften oder die Technik mit gleichermaßen hohen Graden von Komplexität konfrontiert werden, versagen sie genauso wie angeblich die Astrologie. Am besten sieht man das bei längerfristigen Wettervorhersagen.
Es ist richtig, dass die Astrologie mit Voraussagen vorsichtig sein soll. Dies folgt aus wissenschaftstheoretischen und ethischen Gründen und braucht hier nicht weiter ausgeführt werden. Ein gewisses Ausmaß an Prognose zumindest in der astrologischen Forschung ist aber erforderlich, um methodische Probleme entscheiden und Modelle entwickeln zu können. Und da vor Wahlen, in welchem Land auch immer, pausenlos Prognosen abgegeben werden, fällt es gar nicht mehr auf, wenn auch Astrologen sich unter die Auguren mischen: Wir haben somit eine Spiel- und Experimentierwiese, einen Freiraum, in dem wir ernsthaft arbeiten und forschen können.
Ich bin deswegen sehr froh und dankbar, dass ich wieder Kolleginnen und Kollegen gefunden habe, die bereit sind, sich öffentlich zu äußern – auf die Gefahr hin, dass sie sich hinterher der Kritik stellen müssen. Was sie auszeichnet, ist ihre Bereitschaft, einerseits eigene Grenzen erkennen und persönlich dazulernen zu wollen, andererseits aber vor allem ihr Engagement, sich in der Gemeinschaft für eine Fortentwicklung und Verbesserung der Astrologie einzusetzen.
Konrad Gruber hat eine Prognose aus Sicht der Hamburger Schule erstellt. Ich habe bei ihm angefragt, weil er in einem Vortrag vor der DAV-Mundansektion eine richtige Prognose zum Ausgang der Präsidentenwahl in den USA gemacht hatte. Er war sofort bereit, mitzumachen und sieht die Fragestellung von der sportlichen Seite. Wenn ich seinen Aufsatz lese, vermittelt er mir eine noch deutlichere Aussage zugunsten von Schwarz-Gelb, als ich sie gewagt habe. Konrad Gruber formuliert eingängig und sehr prägnant. Offenbar ermöglicht das Regelwerk der Hamburger Schule solche Aussagen. Ich wünschte, auch andere Bereiche der Astrologie wären so klar strukturiert, wie es hier erkennbar ist.
Wilma Sommer hat in jahrelanger Arbeit ein eigenes astrologisches Modell entwickelt. Ich wünsche ihr, dass sie es bald der breiten Öffentlichkeit vorstellen kann, so dass auch andere ihre Erfahrungen nachvollziehen und nutzen können. Ihre Wahlprognose ist eine Kostprobe der neuen Deutungstechnik. Frau Sommer ist ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass ein Koalitionswechsel stattfinden wird. Sie zieht aber die Möglichkeit in Betracht, dass es der CDU und FDP zu einer Mehrheit allein nicht reichen wird und sie deswegen einen weiteren Koalitionspartner (Die Grünen) mit aufnehmen müssen.
Brigitte Hamann habe ich auf der Suche nach mehr Information über das System der „Kritischen Grade“ von Michael Roscher kennen gelernt, mit dem sie viele Jahre zusammengearbeitet hat. In ihrer Wahlprognose nutzt sie diese noch relative junge, aber bereits bewährte Technik. Wenn keine Geburtszeit bekannt ist, bildet Brigitte Hamann ein Sonnenhoroskop. Bei Ihrer Analyse bezieht sie ferner den Neumond vor der Wahl und die letzte Sonnenfinsternis mit ein. Insgesamt eine überaus sorgfältige und methodisch strenge Ausarbeitung mit dem Ergebnis: schwarz-gelb.
Auf Christine Keidel-Joura bin ich etwas neidisch, weil sie sich so klar zu einer Fortsetzung der Großen Koalition bekennt und eigentlich recht einfache Argumente dafür vorlegt. Ich habe selbst lange über Schwarz-Rot nachgedacht und alle möglichen astrologischen Gründe gefunden - aber letztlich wieder verworfen. Ich würde mich deshalb insgeheim freuen, wenn Christine Keidel-Joura Recht bekäme.
Auch Manfred Gregor sieht eine Fortsetzung der Großen Koalition und macht außerdem differenzierte Bemerkungen über die anderen Parteien. Was ihn aber besonders auszeichnet sind Aussagen, die über die Wahl hinausgehen. Er schließt nicht aus, dass die Wahl angefochten und eventuell sogar wiederholt werden muss. Seine Prognose ist die Zusammenfassung einer gemeinsamen wochenlangen Forumsdiskussion von mehreren Astrologinnen und Astrologen, die sehr schön zeigt, wie man „mit vereinten Kräften“ zu einem Ergebnis gelangt. Wer in die teilweise sehr ausgefeilten Begründungen seiner Aussagen einsteigen will, dem wird ein Besuch auf seinem Forum ans Herz gelegt.
Im Ergebnis haben wir also drei Prognosen, die einen Farbwechsel von Schwarz-Rot zu Schwarz-Gelb voraussagen, sowie zwei Prognosen, die eine Fortsetzung der schwarz-roten Koalition favorisieren.
Ich glaube, dass ich wohl im Sinne aller hier Beteiligten spreche, wenn ich nochmals zum Ausdruck bringe, das wir keine Olympiade veranstalten wollen: Wer ist der beste Astrologe, wer die beste Astrologin? Wir wollen keine Konkurrenz, sondern suchen die Kommunikation, den Gedankenaustausch. Und es geht uns dabei nicht primär um eine Optimierung der eigenen Möglichkeiten, sondern um eine Fortentwicklung der Astrologie in diesem thematischen Teilbereich. Wahlprognosen sind ein geeigneter Ansatz, um das Wesen und die Methodik der Astrologie auf den Prüfstand zu stellen. Vielleicht sind sie nicht der beste Ansatz, aber ein brauchbarer allemal. Deswegen, selbst wenn wir als Autoren verlieren: Möge die Astrologie durch diese Wahlprognose gewinnen!
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