Unsere Lage ist längst vergleichbar der Weimarer Republik. Aus Sicht der Astrologie führt das individuelle Unabhängigkeitsstreben, Uranus, zur chaotischen Zersplitterung, Fische, der Parteienlandschaft. Beispiele solcher Kleinparteien sind die „Pauli-Partei“ (man gestatte mir diesen saloppen Ausdruck), die Piratenpartei oder auch die vielen Gruppen in der so genannten Neuen Linken. Die stärkste Partei unter letzteren, DIE LINKE, ist wiederum nichts anderes als die alte KPD, die sich über die Jahrzehnte hinweg zunächst in die SED, dann in die PDS verwandelt hatte und nun durch Dissidenten aus der SPD verstärkt wurde. Der Bezug zu Weimar könnte somit klarer nicht sein.
Die Situation im Herbst 2009: die 1920er Jahre lassen grüßen!
Prognose zur Bundestagswahl 2009
von Gerhard Lukert
- Stichworte: Astrologie, Bundestagswahl 2009, Prognose, , |
Doch anders als damals leben wir in diesen Tagen noch inmitten einer Saturn-Uranus-Opposition. Das Schwierige und zugleich Einzigartige an der Astrologie ist ja, dass es seit Entstehung dieses Planetensystems und bezogen auf die menschliche Geschichte noch nie zwei Momente der Zeit gab - und auch nie geben wird -, die konstellationsmäßig völlig identisch wären. Der Astrologe muss deswegen bei seiner Interpretation wie ein guter Dichter die Buchstaben jedes Mal neu kombinieren. Dennoch können wir einzelne astrologische Prinzipien in der geschichtlichen Retrospektive relativ klar identifizieren. Die Saturn-Uranus-Opposition, wo sie sich bisher ereignete, war immer mit erheblichem sozialem Unruhepotential verbunden. So beispielsweise am Ende des „Wirtschaftswunders“ im Jahre 1965/1966, als wegen der ökonomischen Instabilität ein Koalitionswechsel von CDU/FDP zu CDU/SPD eingeleitet wurde. Oder im Jahr 1919/1920, als die Kriegsverlierer Deutschland und Österreich von extremen inneren Unruhen geschüttelt wurden. Oder in den Jahren 1829/1830, als sich europaweit für die damaligen Monarchien gefährliche liberale Revolutionen anbahnten, die gerade noch im Keim erstickt werden konnten.
Es liegt in der Natur einer Opposition, dass die sich gegenüberstehenden planetaren Prinzipien nun mit ihrer maximalen Stärke wirken. Beide fordern sich mit ihren jeweiligen Inhalten aufs Äußerste heraus und sind nicht bereit, auch nur einen Finger breit Einfluss zu verschenken. Wer am Ende der Stärkere sein wird, das lässt sich aus der Opposition allerdings nicht absehen, sondern das hängt von den übrigen planetaren Konstellationen und ihrer Verteilung über die Zeichen ab. Allerdings muss selbst dem Verlierer in der Opposition ein gewisser Preis gezahlt werden. In den alten Zeiten der Astrologie hieß das: dem Planeten bzw. dem Gott ein Opfer bringen.
Was das bedeutet, soll an der letzten Wahl zum US-Präsidenten nochmals veranschaulicht werden. Auch sie stand unter der Saturn-Uranus-Opposition. Uranus ist von der neutralen planetaren Gewichtung her, also wegen seiner längeren Umlaufzeit, der „ältere“ und stärkere der beiden Planeten (bereits in der griechischen Mythologie ist er der Vater bzw. der Hervorbringer des Saturn). Er wird sich also in irgendeiner Weise mit seinen „umwerfenden“ Potentialen materialisieren, und im Falle der USA war dies offenbar Obama. Wenn aber gleichzeitig der noch viel stärkere und ältere Pluto in den Steinbock geht, und Saturn in Jungfrau steht, dann sitzen die konservativen Kräfte im Endeffekt doch am längeren Hebel. Ich glaube, man darf sagen, dass Obama viele seiner enthusiastischen Wähler inzwischen enttäuscht hat. Noch immer gibt es „Guantanamo“, und in einem anderen wichtigen Wahlversprechen, der Gesundheitsreform, läuft es gegenwärtig sogar in Richtung Konfrontation zwischen Präsident und Bürger. Bei der sog. „Überwindung der Wirtschaftskrise“ hat Obama aber buchstäblich die Böcke zu den Gärtnern gemacht, wie ein Blick auf die früheren Tätigkeiten seiner wichtigsten Ratgeber sehr schnell lehrt.
Saturn Opposition Uranus:
wie wechselt man das Rad bei angezogener Bremse?
Es gibt zwei prinzipielle Möglichkeiten für den Uranus, um sich zu realisieren. Entweder entsteht eine kritische Situation, die für einige Zeit nicht lösbar ist, was astrologisch ein Warten auf „neue Konstellationen“ bedeutet. Wir haben das bei den Wahlen in Hessen 2008 und 2009 erlebt. Die Alternative dazu ist, dass innerhalb der bestehenden Formen ein klarer Wechsel vollzogen werden kann – mit welchen Tricks auch immer. Für die gegenwärtige Situation hieße dies ein Ende der schwarz-roten Koalition. Die zentrale Frage dieser Wahl lautet also, wiederum salopp ausgedrückt: wird sich Frau Merkel von Herrn Steinmeier scheiden lassen und Herrn Westerwelle heiraten können?
Wie viele Stimmen die CDU und die SPD auch verlieren werden – und sie werden viele Stimmen verlieren –, die Zahlen werden immer für die Fortsetzung einer Großen Koalition beider Parteien ausreichen. Gewiss wäre es auch staatspolitisch gesehen das Vernünftigste, in die kommenden, äußerst schwierigen Zeiten mit einer breiten Mehrheit anstelle einer hauchdünnen hineinzugehen. Frau Merkel hat sich aber dahingehend geäußert, dass sie lieber zusammen mit der FDP regieren wolle, und sei es mit nur einer Stimme Mehrheit im Bundestag. Das ist typischer Ausdruck einer astrologischen Opposition: auf Biegen und Brechen. Ist also Herr Westerwelle das deutsche Äquivalent zu Obama? Verspricht er uns einen positiven Wechsel? Damit alles beim Alten bleiben kann?
Wir haben von Guido Westerwelle und Frank Steinmeier keine Geburtszeiten. Und wir haben nach meinem Kenntnisstand kein wirklich bewährtes System in der Astrologie, mit dem man astrologische Konstellationen in Prozente bei einer Wahl umrechnen könnte. Also wird jeder Lösungsversuch eine gewisse „Bastelei“ darstellen. Eine schwarz-gelbe Koalition wäre nur dann zuverlässig vorhersehbar, wenn Angela Merkel und Guido Westerwelle so überragende und glänzende Konstellationen hätten, dass sie beide als überzeugende Sieger aus der Wahl hervor- und nachfolgend dann auch zusammengehen können. Und Frank Steinmeier müsste zudem so viele schlechte Aspekte und Verknüpfungen haben, dass er am Ende ein langes Gesicht machen und in die Opposition gehen darf.
Beschränkung im Wirrwarr:
was sich mit einfachen Transiten sichtbar machen lässt.
Prüfen wir zuerst Angela Merkel, die am 17. Juli 1954 in Hamburg (18:00 Uhr) geboren wurde. Wenn wir die Transite zu ihrer Radix für jenen Moment bilden, wo sich am Abend der Wahl die Voraussagen stabilisiert haben werden (Berlin, 27.09.2009, 18:45 Uhr), so sehe ich eine Frau, die aufatmen, vielleicht sogar vorsichtig lächeln wird. Sie hat etliche Blessuren abbekommen (tr SA quadrat rad MA plus tr MO quadrat rad MC/NE plus tr MA quadrat rad MC). Und sie hat vermutlich das Gefühl, als ob der Boden, auf dem sie steht, schwanken würde: tr NE opp rad PL. Aber sie ist von der kritischen SA-UR-Opposition nicht getroffen (berührt keinen sensiblen Punkt ihrer Radix), ja sie scheint von ihr profitieren zu können: tr UR trigon rad UR/SO plus tr SA im allerdings separativen Sextil zu rad SO/UR. Andere günstige Konstellationen, wie etwa der tr JU über rad MO oder der tr NE trigon rad NE, runden den Gesamteindruck ab. Zufriedenes Gesicht bei Frau Merkel? Jedenfalls scheint die Wahl ihr im Ergebnis „die Wahl zu lassen“: zwischen Steinmeier und Westerwelle.
Innen: Angela Merkel, 17.07.1954, 18:00 Uhr, Hamburg
Außen: stabile Hochrechnung der Wahlergebnisse, 27.09.2009, 18:45 Uhr, Berlin
Wie schaut Guido Westerwelle zur gleichen Zeit in die Kameras? Geboren am 27.12.1961 in Bad Honnef, Geburtszeit unbekannt. Er hat tr SO quadrat rad SO: ein breites Lachen wird das wohl nicht sein. Und der tr SA quadrat rad VE zieht auch nicht gerade die Mundwinkel nach oben. Aber auch er hat von der aktuellen SA-UR-Opposition nichts zu befürchten (kein sensibler Punkt in seiner Radix wird berührt, vom uns unbekannten Achsensystem abgesehen). Im Gegenteil, er scheint vom Uranus seiner eigenen Radix zu profitieren: tr PL trigon rad UR. Was aber das Allerwichtigste ist: der tr PL läuft applikativ auf die Planetengruppen in Jungfrau und Steinbock seiner Radix zu. Und er hat, gerade noch, eine sehr schöne Rezeption von tr PL conj. rad VE und tr VE conj. rad PL. Der tr Jupiter steht, im weiten Orbis, in einer Wiederkehr (war positiv während des Wahlkampfes). Herr Westerwelle darf uranisch lächeln: er ist und bleibt nämlich durch und durch ein Konservativer.
Innen: Guido Westerwelle, 27.12.1961, Bad Honnef, Geburtszeit unbekannt
Außen: stabile Hochrechnung der Wahlergebnisse, 27.09.2009, 18:45 Uhr, Berlin
Und Frank-Walter Steinmeier? Hat sich wacker geschlagen! Seine aktuellen Transite sind nicht die schlechtesten. Der tr PL befindet sich ähnlich wie bei Westerwelle im Trigon zu einer starken Konjunktion in seiner Radix, nämlich PL/JU, außerdem im Sextil zu rad NE. Das alles gerade noch!! Denn im Gegensatz zu Westerwelle ist dieser Transit separativ. Und auch der tr JU läuft separativ aus der Konjunktion mit rad VE hinaus und wird ins Quadrat zu rad MA/SA laufen. Der tr NE hat das Quadrat zu rad MA schon erreicht. Was doch sehr befremdet: Steinmeier hat keinerlei direkte Berührungen, sprich Konjunktionen zwischen laufenden Planeten und den Konstellationen seiner Radix. Dagegen bahnt eine gute Konstellation sich an mit tr UR trigon rad UR, verstärkt durch ein Trigon zu rad SA. Das Trigon von tr UR zu rad MA ist bereits aktiv, verstärkt sich sogar wechselseitig mit tr MA applikativ auf conj. rad UR. Das wird Steinmeier wieder beschwingen – in einiger Zeit!! Und das hat er auch nötig, denn er wird von der aktuellen SA-UR-Opposition angegriffen. Die Argumentation ist subtil, und nicht jeder mag sie nachvollziehen wollen: Steinmeier hat strukturell einen verletzten Uranus in der Radix (quadrat NE und opp. ME), auch die Venus in Wassermann erscheint in diesem Komplex negativ bedrängt. Nach dem Gesetz der inhaltlichen Resonanz muss eine Verletzung des laufenden, also mundanen Uranus, im aktuellen Fall durch Saturn, immer auch eine Beschädigung des Uranus in der Radix nach sich ziehen, wenn dieser in der Radix bereits angegriffen ist wie im Fall von Steinmeier.
Innen: Frank-Walter Steinmeier, 05.01.1956 in Detmold, Geburtszeit unbekannt
Außen: stabile Hochrechnung der Wahlergebnisse, 27.09.2009, 18:45 Uhr, Berlin
Um die separative und damit eher ungünstige Dynamik in den Konstellationen von Frank-Walter Steinmeier besser veranschaulichen zu können, wird nachfolgend eine Kombination von drei Charts gezeigt. Das mittlere Horoskop zeigt die Konstellationen im November 2005, als er in die Regierung kam. Und im Außenkreis haben wir die Konstellationen zur aktuellen Wahl. Sie sind immer noch gut. Aber doch ein Auslaufmodell? Vielleicht bekommt Steinmeier noch eine Chance. Aktuell allerdings sieht es nicht so gut aus.
Innen: Frank-Walter Steinmeier, 05.01.1956 in Detmold, Geburtszeit unbekannt
Mitte: Frank-Walter Steinmeier wird am 22.11.2005 Außenminister
Außen: stabile Hochrechnung der Wahlergebnisse, 27.09.2009, 18:45 Uhr, Berlin
Was ist nun die eigentliche Problemstellung für den prognostizierenden Astrologen, wenn man diesen scheinbar einfachen Weg wählt – Transite auf die Radix –, selbst wenn die Geburtszeit von zwei Kandidaten gar nicht bekannt ist? Die Hauptschwierigkeit besteht in der Abwägung der positiven und negativen Konstellationen, hier also insbesondere zwischen Westerwelle und Steinmeier. Meine Argumentation läuft darauf hinaus, dass Westerwelle insgesamt ein besseres Bild macht und sein wichtigster Transit, nämlich der Pluto, applikativ ist. Bei Steinmeier ist das Gesamtbild etwas ungünstiger und seine Dynamik ist separativ.
Doch reicht das, um daraus Wahlprozente zu errechnen? Für den einen Kandidaten mehr, für den anderen ein paar weniger Punkte? Oder reicht es, um eine absolute Mehrheit für Schwarz-Gelb zu prognostizieren? Mit gesundem Menschenverstand – falls die vorangehenden Überlegungen überhaupt als vernünftig bezeichnet werden können – ist dies schlechterdings unmöglich. Wenn man die Einzelstränge der Argumentation zusammenfasst, entsteht aber der Eindruck, dass Schwarz-Gelb gute Aussichten hat. Bessere als manche Umfrageergebnisse der CDU und FDP geben.
Ich möchte anfügen, dass es mir sehr schwer gefallen ist, die SPD aus dem Rennen zu nehmen. Ich habe auch die Horoskope der Parteien untersucht. Die Bilder und Gedankenketten, die hierbei entstanden sind, sehen noch komplizierter aus als im Falle der Spitzenkandidaten. Die SPD kommt aber nicht so schlecht weg, wie man sie gegenwärtig hinstellt, und es gibt viele günstige Zeichen für eine Fortsetzung der Großen Koalition. Allerdings zeigt die Analyse des FDP-Horoskops wiederum einen sehr klaren Hinweis auf eine Regierungsbeteiligung. Weil es sich um historisch interessante Zusammenhänge handelt, habe ich die Argumentation unter folgendem Link zusammengefaßt:
siehe auch: „Gedanken zur FDP“
Am Ende bleibt die Abwägung bei den Parteien ähnlich schwierig und fraglich wie bei den Kandidaten. Wenn bereits mit drei Parteien bzw. Kandidaten kein einheitliches Ergebnis erzielt werden kann, so erübrigt es sich meines Erachtens, tiefer in die Diskussion weiterer Parteien einzusteigen.
Mein Gesamtfazit lautet: Schwarz-Gelb.
Ich darf zum Schluß Anne C. Schneider dafür danken, dass sie trotz knapper Zeit und methodischer Bedenken meine Ausarbeitung der Prognose kritisch und mit hilfreichen Ergänzungen begleitet hat.
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