astrologix : Astrologie

2.0

Hypnos contra Chiron

Bardo Illustr. by M. Lohmann

Vorbemerkung

Der Vorschlag einer allgemeinen Umbenennung und damit auch Neudeutung des Kleinplaneten (evtl. a. Kometen) Chiron entspringt keiner opportunistischen Laune des Autors. Dieser ist sich der Tragweite, Ernsthaftigkeit und Verantwortung seines Tuns bewußt und stellt durch seine nachfolgenden empirischen Erfahrungsberichte, dem Resümee neunjährigen Forschens (Stand 1990), genügend Material zur Verfügung, das in seiner Drastik und thematischen Ähnlichkeit zu völlig neuen Rückschlüssen bezüglich mythologischer Analogien des 1977 von Kowal entdeckten Himmelskörpers führen müßte. Er möchte dadurch nicht die Ergebnisse anderer Forscher in ein schlechtes Licht rücken, vor allem da Hypnos (Chiron) auch Eigenschaften verkörpert wie, "Absonderung", Raum-Zeit-Verschiebungen und ähnliches, wie sie zum Beispiel der Chiron-Pionier Zane B. Stein beobachten konnte. Auch hält der Autor es nicht für nötig, das zwischenzeitlich allgemein bekannte graphische Chiron-Symbol zu ändern, das unter anderem aufs Trefflichste die Doppelnatur von Tiefschlaf (Hypnos) und (Ich-) Tod (Thanatos) widerspiegelt. Im Trend einer Vermischung west-östlich-esoterischen Gedankenguts möchte der Autor auch den Begriff "Bardo" als treffendes Äquivalent für Chiron zur Diskussion stellen.

Einen besonderen Dank möchte ich meinen langjährigen Mitforschern Thomas Siegfried und Ulla Janascheck (* 5. 6. 1961, 10h 25m MET, Karlsruhe/D) sowie Michael A. Lohmann (* 7. 3. 1952, 19h 30m MET, Halle i.W./D) (für die Anfertigung der begleitenden Illustrationen) aussprechen. Möge die Hypnos-Bardo-Forschung dazu beitragen, das größte aller kosmischen Geheimnisse, die Natur unseres menschlichen Seins, in ein klareres Licht zu rücken.

[HHT] - Portsalon/Ireland, 24. August 1989

Chiron - Der kreative Filmriß

Erste empirische Beobachtungen zur Chiron-Wirkung (1982)

Der Kleinplanet Chiron wurde am 1. 11. 1977, 10h 00m PST, Pasadena/CA/USA von dem amerikanischen Astronomen Charles T. Kowal (8.11.1940, 05h 20m EST, Buffalo/NY/USA) entdeckt. Er beschreibt eine äußerst exzentrische Umlaufbahn, die sich zwischen den Riesenplaneten Saturn und Uranus befindet. Wie alle Kleinplaneten hat er eine unregelmäßige Gestalt. Sein ungefährer Durchmesser wird auf 150 - 700 Kilometer geschätzt. Die Sonnenumlaufzeit beträgt 50,7 Jahre, wobei er die einzelnen Tierkreiszeichen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit durchwandert. (So hält er sich zum Beispiel nur zwei Jahre in der Waage und acht Jahre im Widder auf.) Zur Zeit (Anfang 1990) hält er sich in den mittleren Graden des Tierkreiszeichens Krebs auf (Vergleichswert 1977: Anfang Stier/August 1997: Eintritt in den Skorpion). Es ist seit seiner Entdeckung viel über ihn geforscht worden (besonders in den Vereinigten Staaten), wobei vor allem der amerikanische Astrologe Zane B. Stein (*17.06.1951, 23h 44m EST, Philadelphia/PA/USA) wichtige Pionierarbeit geleistet hat. Er gab ihm das Schlüsselwort "Maverick" (Einzelgänger), das Chirons Wesen jedoch nur ausschnitthaft umschreibt. Um erste Anhaltspunkte für die Deutung zu finden, begann man, mythologische Analogien heranzuziehen, wie dies bei den neueren Planeten Vesta, Neptun und Pluto noch erfolgreich möglich war (Chiron ist in der Mythologie ein heilkundlicher Kentaur).

Doch zum ersten Mal scheint das Zufallsprinzip einer adäquaten Namensgebung m. E. nicht völlig funktioniert zu haben, was bei einem Einzelgänger und Sonderling wie Chiron auch naheliegt. Jedenfalls konnte ich bislang in meinen eigenen Forschungen einiger tausend Horoskopbeispiele keine zwingenden Zusammenhänge zwischen Chiron und Heilkunde oder heilkundlicher Begabung finden, auch wenn Autoren wie Barbara Hand Clow und selbst Stein dies hartnäckig behaupten. (Im weiteren Sinne läßt sich natürlich jede planetare Energie als heilkräftig interpretieren.) So stand ich also vor einem völlig unbeschriebenen Blatt und der aufregenden Gelegenheit, diesen planetaren Exzentriker mittels seiner Transitwirkungen auf mich selbst (*15.10.1944, 06h 35m MET, Görlitz/D)und eine kleine Gruppe von Mitarbeitern empirisch zu erforschen (vorausgesetzt, daß er überhaupt eine spürbare Wirkung hätte).

Meine anfängliche Ambivalenz änderte sich recht schnell, als ich während eines Indien-Aufenthalts meine ersten und bislang gravierendsten Erfahrungen machte. Sozusagen Chiron mit der Holzhammermethode. Eigentlich wollte ich dort tiefere Meditationsbelehrungen bekommen, doch irgendwie fehlte mir der richtige Schwung und Elan, die richtige Motivation. Ich fühlte mich depressiv, setzte mich von der Gruppe, mit der ich zusammen losgereist war, ab (Chiron als Einzelgänger) und stellte auch rein räumlich eine Distanz her. Das ganze Beziehungsgeflecht, in dem ich mich damals befand, war mir fremd geworden - ich selbst war mir fremd geworden und befand mich in einem desolaten Zustand der Desorientiertheit und völlig fehl am Platze, ohne jedoch irgendeine Alternative vor Augen zu haben. Das kleine Dorf, die geschäftigen Menschen, ja selbst das mir vertraute tibetische Fluidum, das mich normalerweise gefesselt, heiter und gelöst gestimmt hätte, erschien mir unwirklich, hohl, leer und kulissenhaft. Allem fehlte Seele und Herz, und ich empfand mich innerlich als ebenso leer, entmenschlicht und aufs tiefste meinem Selbst entwurzelt. Nichts hatte mehr richtig mit mir selbst als Person zu tun. Ich funktionierte nur noch wie ein sinnentleerter Mechanismus.

Der schwarze Bardo (Hypnos Opposition Venus)

Der schwarze Bardo
(Hypnos Opposition Venus)

Wie ich später herausfand, alles typische Vorankündigungen von Chiron-Transiten. Ich sollte vielleicht noch vorwegschicken, daß ich die Jahre zuvor allein gelebt, mich aber so darein gefügt hatte, daß ich (zumindest bewußtseinsmäßig) keinerlei Wünsche nach festen partnerschaftlichen Zweierbeziehungen mehr spürte. All dies war weit weg von mir. Doch dann kam das absolut Unerwartete: Ein Mann setzte sich zu mir an den Tisch, und ich begrüßte ihn mit der Frage, ob er wohl Zwillinge sei, was er erstaunt bejahte (Thomas Siegfried, 29.05.1956, 14h 15m MET, Kaiserslautern/D). Wir kamen ins Gespräch und begannen in völliger Urvertrautheit mehr oder weniger sofort über gemeinsame Auswanderungspläne zu diskutieren. Innerhalb weniger Stunden stand für uns beide fest, daß wir a) nicht nur zusammenziehen, sondern b) auch gemeinsam Deutschland verlassen wollten, und dies mit einer Natürlichkeit und Selbstverständlichkeit, als hätten wir dies bereits seit Jahrtausenden geplant. Dies geschah fünf Tage vor der exakten Opposition des laufenden Chiron zur Venus meines Geburtsbildes am 11.04.1982, 22h 15m IST, Dharmsala/IND. Mein Partner reiste zwei Tage später weiter. Wie wir später herausfanden, befand er sich zu diesem Zeitpunkt im Feldermarathon (6 Jahre pro Feld) in exakter Konjunktion mit seinem Radix-Chiron.

Mir kam alles wie ein unwahrscheinlicher Traum vor. Ich lief wie ein Roboter oder eine Marionette durch die Gegend, und dann passierte es: Am 16. oder 17. April, den Tagen des exakten Chiron-Venus-Transits, fiel ich völlig unvorbereitet und in recht unpassenden Situationen in tiefe Ohnmachten. Das eine Mal in einem Teehaus, aus dem mich meine Freunde mit einiger Anstrengung heraustragen mußten, und gleich 15 Stunden später nochmals während eines Einkaufsbummels durch das Dorf.

Da ich noch niemals vorher in meinem Leben in Ohnmacht gefallen war, dachte ich natürlich, daß dies nun der Tod sei. Beide Ohnmachten, die ich später noch zweimal erlebte (im Sommer und Spätherbst 1985 bei Chirons exakter Transit-Konjunktion auf meinen Radix-Uranus im achten Feld), liefen ähnlich ab: Zuerst ein Gefühl absoluter Wirklichkeits- und Selbstentfremdung, dann beginnt sich der Realitätsfilm in kleinen, aber kontinuierlichen Schritten einzuschwärzen, bis immer weniger übrig bleibt (bei Chiron auf Uranus begann sich die Wirklichkeit langsam in weißes Licht aufzulösen), auch die Außengeräusche starben allmählich ab. Es ist wie ein im Zeitlupentempo ablaufender Filmriß auf einer Kinoleinwand. Schließlich gibt auch der Körper nach, und man fällt unkontrolliert zu Boden. Ein winziger Bewußtseinsrest versucht sich noch gegen die bedrohliche schwarze Leere zu wehren, bis auch dieser nachgibt. Im buddhistischen Sinne eigentlich ein erstrebenswerter Zustand, doch wenn er so unvorbereitet über einen hereinfällt, spielen doch die Ängste eine große Rolle.

In diesem Nichts-Zustand, der nur gelegentlich von einigen weißen oder roten Funken erhellt wird, spürt man vage, daß die gesamte Gehirnelektrizität einer Art Kurzschluß ausgesetzt ist. Nach etwa einer halben Stunde ein vorsichtiges Erwachen. Zuerst kommen die Töne wieder, dann baut wie in einer langsamen magischen Projektion der Wirklichkeitsfilm Quadratmeter für Quadratmeter puzzlehaft wieder auf, und man beginnt zu spüren, wie sich in Kopf und Körper unendlich viel energetisch verändert hat. Es ist, als wäre innen drin mehrmals alles umgepolt. Alle Energiebahnen, Probleme und neurotischen Verknotungen haben ihre quälende Spannung verloren, Gedankenketten sind miteinander in Verbindung getreten, die vorher unvereinbar waren.

Es ist, als wären gewaltige tektonische Erdverschiebungen passiert. Veraltete, festgefahrene und verkrustete Gewohnheitskonzepte, die sich innerlich eingeschliffen hatten, scheinen sich durch die Gewalt-Tortur aufgelöst zu haben. Es hat eine Art Gehirnwäsche stattgefunden, die über normale Bewußtseinsarbeit nicht in dieser Radikalität passiert wäre. Die äußere Welt kommt einem winzig klein, fern und unbedeutend vor. Alte Wichtigkeiten verkehren sich in ein lächerliches Nichts. Es ist, als erwachte man aus einem Traum in einem Traum, wobei man mit beiden eigentlich nichts zu tun hat - als befände man sich in einem Körper, der einem gar nicht gehört, in einer geträumten Welt, die einem fremder erscheint als die entfernteste Galaxie.

Dabei entbehrt das Ganze nicht einer gewissen Komik. Man entdeckt plötzlich seine Beine wieder und versucht sich daran zu erinnern, wie man damit wohl geht. Man spricht mechanisch (ein ziemliches Wirrwarr), um irgendeinen Kontakt zu dieser gerade wieder neu entstehenden Welt herzustellen, und wundert sich über die besorgten Gesichter, die sich über einen beugen. Noch Tage danach muß man sich erheblich konzentrieren, um herauszufinden, wie ganz gewöhnliche Alltagsdinge funktionieren.

Doch unabhängig von diesen Nebeneffekten ist es wirklich eine gewandelte Welt, in der man jetzt erwacht. Ohne es schon konkretisieren zu können, spürt man deutlich, daß eine irreversible Bewußtseinsänderung, eine positive Bewußtseinserweiterung stattgefunden hat. Ob man dies nun möchte oder nicht: man ist ein anderer geworden. Altes ist gestorben, etwas Neuartiges hat sich geformt. Langwierige und festgefahrene innere Entscheidungsprozesse sind durch einen Zeitsprung abgekürzt worden. Latent im Unbewußten schlummernde Antworten auf Ausweglosigkeiten der normalen Denk- und Verarbeitungswege sind ins Licht des Bewußtseins getreten und bieten Lösungen im Sinne einer Bewußtseinserweiterung an. Verschüttete Träume werden wahr, die in tiefen Gegenströmungen zu unserem bewußten Sein ein trotziges Eigenleben geführt haben. Irgendwie hat Chiron das Oben mit dem Unten vertauscht oder doch wenigstens in einen neuartigen Zusammenhang gebracht.

Daß dies häufig auch exoterische Synchronizitäten im Gefolge hat, ist eines der vielen kleinen Wunder, die das magische Astro-Spiel immer wieder hervorzaubert und die wir uns mit unserem raum-zeit-gebundenen Vorstellungsvermögen nur schwer erklären können (auch wenn es bereits eine Reihe naturwissenschaftlicher Erklärungsmodelle hierfür gibt). Wer chironhafte Blackouts nicht kennt, kann sie vielleicht am ehesten mit einer Narkose vergleichen, wobei bei einer Narkose das Vorstadium einer wochen- und tagelangen Entfremdungssteigerung und auch die anschließende geistige Neuwerdung fehlen. Daß Chiron aber auch Wirklichkeiten schafft, beweist, daß Thomas (29.05.1956, 14h 10m MET, Kaiserslautern) und ich seit fünf Jahren zusammen in Irland leben und wir die Zwei-Stunden-Entscheidung unter Chiron Opposition Venus noch keine Minute bereut haben.

Sicherlich reagiert nicht jeder so intensiv und dramatisch auf Chiron-Bestrahlungen, wie ich es hier versucht habe authentisch wiederzugeben. Viele exakte Chiron-Transite spielen sich ja auch - uns bewußt nicht zugänglich - während unserer Schlafphasen ab. Aber die Selbstentfremdungserscheinungen und Neuwerdungen durch Chiron müßte jeder, mit wenig mehr als einer Chiron-Ephemeride bewaffnet, auch an sich selbst beobachten können.

Wachgerüttelt und auf handfeste Art und Weise Chiron-sensibilisiert, bin ich bei einigen meiner Freunde auf ganz ähnliche Erfahrungen gestoßen, und auch Zane B. Stein in Amerika ist mit seiner Arbeitsgruppe und völlig unabhängig von uns zu vergleichbaren Resultaten gelangt (Selbstentfremdung, Zeitrelativierung, Blackout, Arhythmik, Unverbundenheit, Entwicklungseinschnitte, Distanzierung, Orientierungsverlust etc.).

Erscheint es wirklich so, als käme Chiron aus einer völlig anderen Welt in unser Sonnensystem, paßt er gleichzeitig aber auch genau in die Mitte von Saturn und Uranus, indem er uns aus der alten Wirklichkeit und unseren inneren Verknöcherungen gewaltsam herausreißt, in einen Vakuum-Sog hineinzieht und uns schließlich in völlig neuartige Lebensbahnen hineinschleudert. Es ist schwierig, eine derartige Energie irgendeinem speziellen Tierkreiszeichen zuzuordnen, doch da er eher der uranischen Neuwerdung zuarbeitet und auch seine Vorgehensweise recht ungewöhnlich ist, stelle ich ihn in die Nähe des Uranus-Wassermann-Themas. Ähnlich wie Uranus scheint er Prinzipien der Evolutionssprünge zu verkörpern und funktioniert dabei wie ein bewußtseinsmäßiger Treppenlift, ein Unterbrecherkontakt, eine Heilnarkose, oder wie das Hebewerk einer Schleuse. In Erweiterung des von Stein geprägten Begriffs "Maverick" (Einzelgänger) möchte ich ihm die Schlüsselworte "Wirklichkeitstransformator", "Filmcutter" oder auch (mehr im tiefenpsychologischen Sinne) "Strömungsumpoler" an die Seite stellen.

Regressionen in archaische Dimensionen

Weitere Beobachtungen zu Chiron-Transiten (1985, 1986, 1989)

Es war im Juli 1985. Wir waren indessen zwecks intensiver Astrologie-Studien nach Irland übergesiedelt, und ich hatte im Zuge von Haus- und Gartenrenovierungen sowie des Aufbaus eines umfassenden Daten-Archivs den Lauf Chirons völlig aus den Augen verloren. Auffallend war jedoch noch, daß von unserem damaligen kleinen Dreier-Team jeder eine Mond-Chiron-Konjunktion in seiner Radix besaß und wir gemeinsam feststellten, daß wir ohne Heimatgefühl waren, kein Verlangen, Deutschland wiederzusehen, alle Kontakte zur Vergangenheit mühelos abbrechen konnten und uns hier, am nordwestlichen Ende Europas, als "Außenseiter" äußerst wohl fühlten.

Da geschah es wieder! Ich saß mit Freunden am Kaffeetisch, wir hörten Musik und diskutierten allerlei Pläne. Urplötzlich löste sich alles in Unschärfe auf, und so sehr ich mich auch konzentrierte und mich dagegen wehrte, verwandelte sich zunächst die fernere Tiefe des Raums in ein strahlendes milchig-weißes Nichts, das nach und nach immer näher rückte und schrittweise den ganzen Wirklichkeitsfilm überblendete. Ich hastete schnell an die frische Luft und rief noch beim Hinausgehen: "Schnell in der Ephemeride nachsehen, irgendein gewaltiger Transit spielt verrückt".

Das weiße Nichts setzte meine Willenskraft völlig außer Funktion. Da ich zusammenzubrechen drohte, setzte man mich auf einen Stuhl. Ich entschuldigte mich noch und man solle sich keine Sorgen machen, spürte, wie mein Pulsschlag immer schneller wurde, und ergab mich meinem Schicksal, bis auch alle Außengeräusche verstummten, meine Freunde und schließlich auch ich selbst samt Stuhl in eine unendlich tiefe, aber angenehme weiße Leere versanken, gegen die meine winzigen Willenskräfte und Bewußtseinsreste nichts ausrichten konnten.

Der weiße Bardo (Hypnos Konjunktion Uranus)

Der weiße Bardo
(Hypnos Konjunktion Uranus)

Ewigkeiten meinte ich in diesem Zustand zu verweilen! Eine tiefe Entspannung machte sich breit - verbunden mit Gefühlen ekstatischer Befreiung und großen Glücks. Ganz anders als die schwarze Ohnmacht Indiens war dies eine angenehme Unterbrechung meines Lebensfilms, und es war mir gar nicht so lieb, als sich die alte Wirklichkeit zunächst als dumpfes, dann immer klarer werdendes Stimmengewirr wieder bemerkbar machte. Nach den Aussagen meiner Freunde war ich etwa 30 Minuten über dem Tisch zusammengeklappt und in ein fernes Nirvana entrückt.

Man hatte vergeblich in den normalen Ephemeriden geblättert und keinen exakten Transit finden können, bis irgendjemandem die Chiron-Ephemeride einfiel. Und da stand es dann, bogenminutengenau: der laufende Zwillinge-Chiron war in die exakte Konjunktion mit meinem Radix-Uranus im achten Feld gekommen. Majestätisch langsam baute sich nun die äußere Wirklichkeit wieder auf, und ich tauchte erfrischt aus meiner zeitlosen Dimension in das Zeitliche zurück.

Durch Rückläufigkeit Chirons wiederholte sich diese Transitauslösung im Frühjahr 1986, doch außer unsäglicher Müdigkeit sowie geringer Herzrhythmus-Störungen verlief die Wiederholung ohne dramatische Wirklichkeitsauflösungen. Ich vermute, daß ich die zweite Regression in die weiße Leere im wahrsten Sinne des Wortes verschlafen habe. Welch ein Verlust!

Ab Mitte Juni 1989 begann eine ganz andere Phase, durch die ich eine weitere Spielart Chirons erlebte. Chiron war zwischenzeitlich in den Krebs gewechselt und näherte sich der Konjunktion meines Radix-Saturns im neunten Feld. Bereits ab Mai 1989 (Chiron Quadrat Radix-Neptun) verspürte ich wieder die starken Gefühle der Selbstentfremdung, wie ich sie aus dem Umfeld meiner Indien-Reise nur allzugut kannte. Begleitet von einer gewissen Melancholie, Willensschwäche, einem ungeheuren Schlafbedürfnis, Tagträumerei, Lustlosigkeit, Apathie oder auch banal gesprochen unsagbarer Faulheit, die auch mit einer vorübergehenden Kurzsichtigkeit einherging, war ich kaum dazu zu bewegen, das Bett zu verlassen. Die kleinste Außenweltbetätigung kostete mich eine riesige Anstrengung, und so erledigte ich nur das Allernotwendigste an "Außendienst" und verbrachte manchmal mehr als 24 Stunden mit zunehmender Begeisterung im Bett und fiel von einem Tiefschlaf in den nächsten. Ich war ganz fasziniert von einem äußerst bizarren und abenteuerlichen Traumleben, das mich voll gefangen hielt.

Obwohl ich es doch nun gelernt haben müßte, habe ich diese Phase nicht dem Chiron-Neptun-Quadrat, sondern eher einer allgemeinen Frühjahrsmüdigkeit zugeschoben. Ich begann jedoch schnell, in den Ephemeriden zu blättern, als sich dieser Zustand verschlimmerte (Chiron näherte sich meinem Radix-Saturn), und ich anfing zu schlafwandeln und mich beim Aufwachen anstatt im Bett auf irgendeinem Stuhl im Haus wiederfand. Ich hatte zwar bereits als Kind und Jugendlicher Phasen gelegentlicher Schlafwandelei, doch waren diese die letzten 20 Jahre über völlig ausgeblieben.

Nun wäre ja gegen den Schlaf im Sitzen grundsätzlich nichts einzuwenden, doch war das Ganze gefährlicher als es klingt, denn das Aufwachen war häufig recht schmerzhaft, indem ich vom Stuhl auf den Boden stürzte oder aus dem Bett herausfiel, mit dem Kopf an Tischkanten oder Wände stieß und vieles mehr. Mit anderen Worten: die Verletzungsgefahr war recht groß! Zudem hatte ich die Angewohnheit, mir im schlafwandlerischen Zustand etwas zu trinken zu holen oder mir eine Zigarette anzuzünden, um dann beides auf den Boden fallen zu lassen. So ergab sich dann überall wo ich saß ein Meer von Brandflecken und (das war vielleicht die Rettung) von ewig feuchten Teppichböden.

Traum-Chaos (Hypnos Quadrat Neptun)

Traum-Chaos
(Hypnos Quadrat Neptun)

Gegen Mitte Juli, der exakten Konjunktion von Chiron und Saturn, spitzte sich die Lage zu und ich fiel in jeder Situation so unvermittelt in Tiefschlaf, daß es peinlich wurde. Besonders hatte ich Angst, daß mir das vielleicht beim Autofahren passieren könnte. Diese abrupten Schlafanfälle waren mit einem völligen Verlust der Muskelkontrolle verbunden, und wirkten sich wie eine Totallähmung aus. Das Traumleben steigerte sich derweil so intensiv, daß ich nicht mehr in der Lage war, zwischen Traum und Wirklichkeit zu unterscheiden, bzw. sich beide Filme miteinander vermischten. So sah ich beispielsweise im wachen Zustand Ozeandampfer durchs Zimmer gleiten, verstorbene Freunde neben meinem Bett stehen, mich auf meinem Stuhl auf einer Straßenkreuzung in New York sitzen etc. Das einzige, was mich in meiner begreiflichen Angst vor einem dauernden Wahnsinn befreite, war das Wissen um die zeitlich begrenzte Wirkung (weniger Wochen) des Chiron-Transits.

Die Medizin nennt derartige Bewußtseinsstadien "Narkolepsie" oder "Schlafparalyse". Da sie aber über die Ursachen nichts weiß und überdies Aufputschmittel zur Überwindung des Schlafdrangs empfiehlt, konnte ich von hier keine Hilfe erwarten. Schließlich tauschten wir die Stühle im Haus gegen Sessel aus, so daß ein seitliches Herunterfallen unmöglich wurde. Mein Freund begann sich daran zu gewöhnen, daß ich mich mit imaginären Personen im Raum unterhielt, und hatte manche schlaflose Nacht, indem er mich davor bewahrte, irgendwelche Gläser oder Zigaretten in die Hand zu nehmen und vielleicht das Haus in Brand zu stecken. Obwohl ich mich persönlich wohlfühlte, war es doch eine bewegte Zeit, die sich alles in allem über ca. 10 Wochen erstreckte.

"Back to normal" versuchte ich mir die innere Auseinandersetzung des raum-zeit-transzendierenden Chiron und des raum-zeit-setzenden Saturn verständlich zu machen. Natürlich prallten hier zwei absolute Kontrahenten zusammen, und man hätte eigentlich im Vorhinein eine problematische Zeit erwarten müssen. Chiron, in seiner Tendenz, den Leere-Zustand herbeizuführen, stößt auf den Halter des "Wirklichkeitsfilms", das Hauptsymbol der Realität: Saturn. Jeder Tiefschlafanfall wird von Saturn und seinem Pflichtgefühl der Wirklichkeit gegenüber dadurch bekämpft, daß man zum Beispiel im Schlaf aufsteht und durch symbolische Gesten wie trinken, rauchen oder sich auf einen Stuhl setzen dem Abdriften in Nirvanahaftes entgegenwirkt. Auf der anderen Seite gelingt es Chiron kaum, eine dauernde Tiefschlafleere herbeizuführen, sondern er erreicht nur - sozusagen auf halbem Wege von Saturn geblockt - den Bereich der persönlichen Traumebene, die sich so stark verdichtet, daß sie mit der äußeren Realität wie ein zweifach belichteter Film eine Einheit bildet. Durch das Entstehen dieser außergewöhnlichen Erlebnisebenen wird das Bewußtsein wiederum abgelenkt in ein tiefes Nichts abzugleiten. Eigentlich sehr schlau konstruiert!

Auch das harte Aufwachen (aus dem Bett oder vom Stuhl fallen etc.) kann ich durchaus als ein listig-derbes Mahnen Saturns an irdische und karmisch geregelte Wirklichkeit begreifen.

Es ergibt sich an dieser Stelle die Frage, ob es nicht eine Untersuchung wert ist, die Geburtsbilder von Narkoleptikern auf Chiron-Saturn-Verbindungen hin zu untersuchen. Dank der relativen Langsamkeit der beiden Planeten könnte man schon über die reinen Geburtsdaten (ohne Ort und Stunde) zu Aussagen gelangen. So geht denn meine Bitte an Ärzte, Psychologen, Psychiater und Nervenärzte, mir entsprechendes Datenmaterial zu überlassen. Interessant sind auch Daten von Patienten, die nur eine kürzere Phase (wenige Monate) unter narkoleptischen Schüben gelitten haben (Transitwirkung). In diesem Fall wäre der ungefähre Zeitpunkt des Schubes von Bedeutung.

Chiron alias Hypnos, alias Bardo, alias Thanatos, alias Morpheus

Zwischenzeitlich haben mich zusätzliche empirische Erfahrungen und ein tiefes Nachdenken über das Wesen der Chiron-Energie zu neuen Schlußfolgerungen gebracht, die den Stellenwert Chirons in ein m. E. passenderes Licht rücken. Ihn sowohl mythologisch als auch in seiner energetischen Funktion klarer umreißen und auch erklären, warum er als "Einzelgänger", "Komet" oder als Tierkreiszuordnung so schwierig zu erfassen ist. In meinem heutigen Verständnis sehe ich in ihm den Vertreter einer kosmologischen bzw. mythologischen Dimension, die sich zeitgeschichtlich vor die Entwicklung der Tierkreisordnung und Planetenentstehung (von Uranus über Neptun, Saturn, Jupiter etc.) einordnen läßt. Von daher entzieht er sich gewöhnlichen astrologischen Konzepten bzw. setzt diese außer Kraft.

Chiron ist wahrscheinlich so etwas wie ein steinernes Strahlungsfossil, das uns aus der chaotischen Frühzeit des Universums entgegenleuchtet und alle später entstandenen Ordnungsprinzipien wie Tierkreis- und Planetenhierarchien (zumindest für die Zeiten seiner Transitwirkungen) außer Funktion setzt.

Kampf der Wirklichkeiten (Hypnos Konjunktion Saturn)

Kampf der Wirklichkeiten
(Hypnos Konjunktion Saturn)

Um dies besser zu verstehen, müssen wir uns mit der frühesten schriftlich überlieferten Kosmogonie und Theogonie (Lehre vom Ursprung der Welt und der Götter) des Abendlandes auseinandersetzen. Diese geht auf den griechischen Dichter und Philosophen Hesiod zurück, der ca. um 800 v. Chr. in Böotien gelebt hat. Die "Theogonie des Hesiod" beschreibt in über 1000 Versen, die in drei Teile gegliedert sind, a) Archaik und Kosmogenese des Universums, b) Herrschaft und Geschlecht von Chronos-Saturn, und c) das Geschlecht der Olympier. In vereinfachter Wiedergabe steht bei Hesiod am Anfang aller Dinge das Chaos, aus dem sich Gaia, die Erde (in meinem Verständnis eher der Urschlamm) sowie Erebos (die unterirdische Finsternis) und Nyx (das irdische Dunkel) formen. Als Kinder von Nyx entstehen Hypnos und Thanatos (Schlaf und Tod), während aus Erebos das "reine Himmelslicht" (Äther-Element) und Hemera, das Tageslicht wird. Gaia erschafft Uranos, den Himmel, sowie die Gebirge und Pontos, das unendliche Salzmeer (Urozean), wobei Uranos im Mittelpunkt der sogenannten "alten Götterwelt" steht. Erst später entwickeln sich aus der Verbindung von Uranos und Gaia (Himmel und Erde) die Titanen- und Planetengötter mit Chronos-Saturn an der Spitze, der später zusammen mit seiner Gattin Rhea (Mond) die Herrschaft des Uranos stürzt, ihn entmannt und die sogenannte "mittlere Götterwelt" gründet. Erst durch die Entthronung von Chronos-Saturn durch seinen Sohn Zeus-Jupiter formt sich die "jüngere Götterordnung", die die Grundlage unserer heutigen Astro-Mythologie bzw. der aus ihr abgeleiteten Astro-Psychologie bildet.

Die der ersten (uranischen) Schöpfungsphase entstammenden Zwillingsbrüder Hypnos (lat. Somnus) und Thanatos (lat. Mors) wurden in der Kunst meist als geflügelte Jünglinge dargestellt. Der weiße Gott Hypnos ist mit Schläfenflügeln versehen und hält in seinen Händen den Stengel einer Mohnblüte sowie ein "Schlummerhorn", aus dem er den Schlaf ausgießt. Der schwarze Thanatos besitzt Schulterflügel und hält in der Hand eine gesenkte Fackel (Tod der Lebensenergie). Ihr Begleiter ist der mythologisch jüngere Morpheus, Sohn des Hypnos.

Hierbei ist es wichtig festzuhalten, daß das energetische Sein des weißen Hypnos und des schwarzen Thanatos einen ursprungshaften Bewußtseinszustand traumlosen Seins umschreibt wie er etwa in buddhistischen Nirvana-Vorstellungen oder den vier formlosen Meditationszuständen des Hindu-Gottes und Weltenschöpfers Brahma beschrieben wird. Erst durch ein vorsichtiges Aufwachen des Bewußtseins aus diesen archaischen Tiefschlafphasen (kosmogenetisch gesehen durch den Übergang von der "alten Götterwelt" in die "jüngere Götterordnung" entsteht die "Wirklichkeit" der gegenständlichen Träume des Morpheus, die, entsprechend der Tiefe des Erwachens, entweder archetypischen oder persönlichen Charakter besitzen. (Die Schlafpsychophysiologie nennt dies den Übergang von Non-REM- zu REM-Phasen. Non-REM-Zustände umschreiben meist vier bis fünf Tiefschlafphasen, die durch charakteristische Hirnstromkurven meßbar sind. Wird man während einer Non-REM-Phase geweckt, kann man sich meist an keine spezifischen Träume erinnern. Erst während der REM-Phasen (=Rapid Eye Movement), bei denen sich die Augäpfel hinter geschlossenen Lidern heftig bewegen, spielt sich das eigentliche Traumleben ab.

Aus meinen Erfahrungen mit Chiron-Transiten, die mich sowohl in Zustände des schwarzen Traum-Nichts bei Chiron Opposition Venus (totenähnliche Ohnmacht des Thanatos) als auch der weißen, traumlosen Leere bei Chiron Konjunktion Uranus (Hypnos) als auch einer Traum-Wirklichkeits-Vermischung bei Chiron Konjunktion Saturn (narkoleptische Zustände des Morpheus) geführt haben, ist es mir zu höchster Gewißheit geworden, daß der Kentaur Chiron, Sohn des Chronos-Saturn, theogenetisch der "jüngeren Götterordnung" der Zeus-Jupiter-Ära angehörend, sicherlich nichts mit dem 1977 von Kowal entdeckten Kometen zu tun hat. Von seiner Wirkung her gehört er eindeutig in die frühe theogenetische Gruppe der Nyx-Geschöpfe von Tiefschlaf, Tod und Traum, den Zwischenstadien von Tod und Wiedergeburt, wobei man auch den täglichen Schlafrhythmus als "kleinen Tod" in diese Reihe einordnen muß. Seinem dreifältigen Charakter entsprechend, der sich in drei verschiedenen Gottheitsnamen widerspiegelt, ist es schwer, eine Auswahl zu treffen. Da der Name Thanatos (Tod) im abendländischen Denken eher etwas endgültiges darstellt, schwermütige Gefühle wachruft und mir Morpheus (Traum) zu schwach erscheint, die volle Kapazität dieses wichtigen Kleinpianeten zum Ausdruck zu bringen, möchte ich Chiron hiermit in "Hypnos" umtaufen, wobei ich unter Hypnos den Heil- und Tiefschlaf verstehe, der bis in die Bereiche des Archetypen-Selbst vordringt, Dimensionen, die sich jenseits von Zeit, Raum und persönlichem Bewußtsein befinden.

Hypnos und Thanatos, Kinder der Nyx, in der frühen Kosmogenese des Seins

Hypnos und Thanatos,
Kinder der Nyx, in der
frühen Kosmogenese des Seins

Einer äußerst subtilen esoterischen Psychologie folgend, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann, lösen sich die verschiedenen Bewußtseinsformen, Sinne und die Elemente Wasser, Erde, Feuer, Luft und Raum, von bestimmten Lichterfahrungen begleitet, ineinander auf und leiten dadurch den eigentlichen Sterbe- (Werde-) Prozeß ein. Dabei wandelt sich der Geist zunächst in eine strahlend weiße Lichtleere (Sphäre des Hypnos), dann in eine goldgelb-rote Lichtleere (genannt "rote Intensivierung"), eine schwarze Ohnmacht ("schwarzes Beinahe-Erlangen", Einflußsphäre des Thanatos) und findet sich schließlich im meditativen Gleichgewicht des "Klaren Urlichts" ("All-Leere", Äther-Uranus-Archetyp) wieder. Tritt auf dieser Ebene keine Verschmelzung ein, läuft der Geist-Körper Gefahr, inneren Trugbildern der sich neu formierenden Elemente anheimzufallen und sich gemäß seiner karmischen Neigungen eine Wiedergeburt in den Welten grob- oder feinstofflicher Erscheinungen (Traumwelten, Maya, Einflußsphäre des Morpheus) zu suchen. Höchstes Ziel der indo-tibetischen Meditation ist es nun, durch Traumyoga, Erlangung von völliger Geistesruhe (Mahamudra), Leerheitsübungen, Arbeit mit den inneren Elementen und Gottheitsmandalas, sexuellen Vorstellungsübungen, der Erzeugung geeigneter innerer Licht- und Tonschwingungen etc., den Geist auf den großen Sterbeprozeß (physischer Tod) durch Übungen im kleinen Sterbeprozeß des täglichen Schlaf- und Werderhythmus vorzubereiten - ihn an die Rückauflösungsvorgänge zu gewöhnen und die Vereinigung mit dem "klaren Urlicht" als höchste Wahrheit und Ziel tantra-buddhistischer Weisheit zu gewichten, um dadurch einem Abfallen in niedere Wiedergeburtsformen zu entgehen.

In Zusammenhang meiner Erfahrungen mit Hypnos, alias Chiron, alias Bardo, alias Thanatos, alias Morpheus, die nicht im Gefolge meditativer Übungen entstanden, ergibt sich zweierlei: 1.: eine ausschnitthafte Verifizierung der Bardo-Lehren indo-tibetischer Tiefenpsychologie (spontanes Erleben der schwarzen und weißen Leere und 2.: die Möglichkeit, dem praktizierenden Buddhisten, Taoisten oder einfach Suchenden geeignete Zeitpunkte zu "errechnen", an denen er erleichterten Zugang zu verschiedenen Stufen der Leererfahrungen (-Übungen) hat.

Für tiefergehende Experimente eignen sich natürlich am ehesten Hypnos-Transite über Planetenorte des Geburtsbildes. Dies um so mehr, als durch die relativ langsamen Annäherungen des Hypnos (vorwiegend konjunktioneller oder oppositioneller Art) eine organische Einstimmung (zum Beispiel vorhergehender Absonderung und samsarischer Entfremdung) stattfinden kann, die die Tiefe des Erlebens intensiviert und unterstützt.

Der Ungeduldige kann natürlich auch versuchen, durch schnelle Transite (wie Mond, Sonne, Merkur, Venus) über seinen Radix-Hypnos zu ähnlichen Erfahrungen zu gelangen. Dem psychedelisch Experimentierenden sei zu einiger Vorsicht geraten, da der Zustand der "Schwarzen Leere" in psychedelischer Intensivierung durchaus mit großen Ängsten (Ichverlust) verbunden sein kann. Dies gilt auch für psychisch schwache Persönlichkeiten. Auf alle Fälle sollte ein Studium grundlegender buddhistischer Philosophie und Psychologie vorangestellt werden (vor allem des Mahayana, Tantrayana oder Zen), und sei es auch nur um die Tragweite derartiger Erlebnisdimensionen richtig abschätzen zu können.

Meine Erfahrungen mit lediglich vier Hypnos-Auslösungen sind zu gering, um vorhersagen zu können, welche der vier mir bislang bekannten Hypnos-Wirkungen mit welcher Planeten-Energie des Radix zu dieser oder jener Leere- oder Traumerfahrung gelangt. Es ist mir durchaus vorstellbar, daß über Hypnos-Transite auch die goldgelb-rote Lichtleere (zum Beispiel in Kombination mit Sonne, Jupiter oder Mars) oder gar das "Klare Urlicht" selbst (zum Beispiel in Zusammenspiel mit Neptun) erlebbar werden. So fühle Dich denn, lieber Leser, herzlich dazu eingeladen, Deine persönlichen Erfahrungen (und seien sie auch abweichender Art) mit mir auszutauschen.

Sicherlich ist nicht jeder gleichermaßen Hypnos-sensibilisiert wie es zum Beispiel meine Mond-Neptun-Hypnos-Konjunktion im zwölften Feld erlaubt. Andere wiederum reagieren vielleicht noch weitaus empfindlicher (zum Beispiel als Schlafwandler, Narkoleptiker, Medien oder Psychotiker) oder leiden unter Hypnos-Wirkungen, da sie dessen Heil- und Erkenntnismöglichkeit nicht zu nutzen verstehen, bzw. ein beengtes Weltbild keinen Platz für so einen "Querschießer" zuläßt. Manche fühlen unter Hypnos-Bestrahlung lediglich eine tiefe Müdigkeit, neigen zur Tagträumerei, leiden unter Konzentrationsschwäche oder entwickeln schwache Halluzinationen.

Alle Erfahrungsebenen sind für die Hypnos-Forschungen von größtem Interesse, sollten aber auf exakten Daten beruhen! - Bei Korrespondenz also bitte immer die vollständigen Geburtsdaten angeben sowie den Tag und möglichst auch die Stunde der betreffenden Hypnos-Auslösung.

Buddha

Literatur

  • Clow, B. H.: Chiron, Rainbow Bridge
    Between the Inner & Outer Planets, St. Pau]/USA, 1988
  • Fremantle, F. & Trungpa, Ch. (Hrsg.): Das Totenbuch der Tibeter, Düsseldorf/D, 1976
  • Hoffmann, H.: Symbolik der tibetischen
    Religionen und des Schamanismus, Stuttgart/D, 1967
  • Hopkins, J. (Hrsg.): Tantra in Tibet, Köln/D, 1980
  • lons, V.: Indische Mythologie, Wiesbaden/D, 1967
  • Kloetzli, R.: Buddhist Cosmology, Delhi/IND, 1983
  • Kroker, E.: Katechismus der Mythologie, Leipzig/D, 1980 (Reprint)
  • Later, R. & Hopkins, J.: Stufen zur Unsterblichkeit - Tod, Zwischenzustand und Wiedergeburt im tibetischen Buddhismus, Köln/D, 1983
  • Lodö, L.: Bardo Teachings, Ithaca/USA, 1987
  • Lusker, M.: Lexikon der Götter und Dämonen, Stuttgart/D, 1984
  • MSD-Manual der Diagnostik und Therapie, München/Wien 1984, p. 1958 pp
  • Stein, Z. B.: Chiron, Dusslingen/D, 1988
  • Taeger, H. H.: Astro-Trips, Happingen/D, 1986 (134 pp: Chiron im zwölften Feld)
  • Taeger, H. H.: Astroenergetik, München/D, 1989 (Chiron-Deutungen in allen Zeichen und Feldern sowie p. 470 pp)
  • Taeger, H. H.: Spiritualität und Drogen, Markt Erlbach/D, 1988/1995 (allgemein: Archetyp der Raum-Zeit-Verschiebung, p. 194-216)

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Über den Autor:

Hans-Hinrich Taeger (* 15. 10. 1944, 6:35 MET, Görlitz/D) gilt als einer der führenden internationalen Experimental-, Wissenschafts- und Esoterik-Astrologen. Sohn von: Dipl. Bau.-Ing. HEINZ PAUL TAEGER (*30. 3. 1914, 11:15 MET, Berlin - Schöneberg/D) und der Ballettmeisterin HELGA TAEGER (*20. 11. 1921, 23:45 MET, Görlitz/D), Hochzeit: 22. 3. 1944, 12:00 MET, Görlitz/D. Zwei starke und bewundernswerte Charaktere, jung im Herzen, geistreich, großzügig, tolerant und (-jeder in seiner Weise) voller Verständnis für die sonderbaren Eskapaden ihres Sohns, den sie nicht nur materiell sondern auch ideell ein Leben lang förderten (fördern). Danke!