Wilhelm Hartmann (1893-1965):
Astrologe und Berufsastronom
Teil 5 von 6 [=> 1, 2,
3, 4, 5, 6]
Hartmanns geheime Tätigkeit im Oberkommando der Kriegsmarine
Der Beginn des Krieges am 1.
September 1939 war eine Zäsur. Hartmann und alle Mitarbeiter wurden zum
Kriegsdienst eingezogen, die Sternwarte blieb während des gesamten zweiten
Weltkrieges verwaist und geschlossen. Doch aufgrund seiner astrologische
Neigungen durchlief Hartmann nun schon bald eine außergewöhnliche
Karriere.
Die Verwicklungen begannen mit
dem Schottland-Flug des "Führer-Stellvertreters" Rudolf Hess, der am 10. Mai
1941 mit einer Messerschmidt 110 eigenmächtig zum Herzog von Hamilton flog, um
mit ihm über einen Friedensschluss zwischen Großbritannien und Deutschland zu
verhandeln. Der völlig überraschte Hitler tobte über diesen "Hochverrat".
Ein Sündenbock musste gefunden werden für diesen peinlichen Zwischenfall. Der im
NS-Staat immer einflussreicher werdende Martin Bormann kam auf den rettenden
Gedanken, der dann in der NS-Propaganda zur offiziellen Version werden sollte:
Hess habe zwar nur das Beste gewollt, er sei aber in die Hände zweifelhafter
Berater gefallen, nämlich von Astrologen, die ihn zu dieser dreisten Aktion
verführt hätten. (Die Astrologiegläubigkeit von Hess war allgemein bekannt, ob
er sich bei seiner Entscheidung aber tatsächlich von Astrologen beraten ließ,
ist sehr zweifelhaft.) Sofort lief eine Verhaftungswelle pauschal gegen alle
Astrologen, Wahrsager, Parapsychologen etc. im ganzen Reich an, die sog.
"Aktion Hess". Auch Hartmann wurde verhört, dann jedoch nicht weiter behelligt.
Den meisten anderen Astrologen ging es wesentlich schlechter, sie wurden ins KZ
gesteckt, teilweise auch umgebracht. Sein alter Hamburger Astrologen-Freund
Wilhelm Wulff zum Beispiel wurde monatelang im KZ Fuhlsbüttel inhaftiert.
Doch dann bekamen wieder andere Kräfte im NS-Staat die Oberhand, die auch
übersinnliche Kräfte für den Endsieg dienstbar machen wollten. Konkreter Anlass
war die merkwürdige Tatsache, dass die Alliierten seit Ende 1941 immer größere
Erfolge im Versenken deutscher U-Boote erzielen konnten. Was man im deutschen
Oberkommando der Kriegsmarine (OKM) nicht ahnte: In England hatte man die
deutsche Codier- und Dechiffriermaschine "Enigma" geknackt, konnte die
Funksprüche von und zu den deutschen U-Booten nun entschlüsseln und diese somit
leicht aufspüren. Dass die Alliierten die Funktionsweise von "Enigma"
herausgefunden haben könnten, hielt man im OKM allerdings noch bis zum
Kriegsende für absolut unmöglich. Über einen französischen Kanal setzte der
englische Geheimdienst den Deutschen den Floh ins Ohr, dass man in England die
Position der U-Boote "ausgependelt" habe – schließlich sei England in der
Erforschung okkulter Phänomene den Deutschen traditionell ja weit voraus. Das
OKM schluckte diese Desinformation und unternahm nun seinerseits große
Anstrengungen im Auspendeln englischer und amerikanischer Schiffe. Eine noble
Villa in der v.d.Heydt-Straße im südlichen Tiergarten in Berlin, nur einen
Steinwurf vom deutschen Oberkommando im Bendlerblock entfernt und damit mitten
im Zentrum der politischen und militärischen Macht, wurde zum Sitz einer streng
geheimen Gruppe "SP", die direkt dem OKM unterstellt war und zum Auftrag hatte,
entsprechende Pendelmethoden zu entwickeln und dann in Schnellkursen deutsche
Matrosen im Auspendeln feindlicher Schiffe auszubilden. Militärischer Leiter
des geheimen Instituts wurde ein gewisser Kapitän A. Roeder. Ihm zur Seite
gestellt als führender wissenschaftlicher Kopf war niemand anders als der
Nürnberger Sternwartenleiter Wilhelm Hartmann, der dazu von seiner
ursprünglichen Luftwaffen-Dienststelle abkommandiert worden war.
Über die Vorgänge in diesem hochgeheimen militärischen Pendel-Institut
wissen wir insbesondere aus zwei unabhängig voneinander verfassten
Autobiographien direkt Beteiligter gut Bescheid: dem 1960 erschienenen Buch
"Zum anderen Ufer" von Gerda Walther (sie war die langjährige Sekretärin des
Münchner Parapsychologen v. Schrenck-Notzing) sowie dem 1968 veröffentlichten
Werk "Tierkreis und Hakenkreuz" des engen und schon mehrfach erwähnten
Hartmann-Freundes Wilhelm Wulff. Fast alle Mitarbeiter des Instituts, so auch
Walther und Wulff, waren im Rahmen der "Aktion Hess" festgenommen und
eingekerkert worden und erst seit kurzem wieder auf freien Fuss. Überhaupt
waren in dieser geheimen Gruppe "SP" (was vermutlich für "Siderisches
Pendel" stand) fast alle bekannten
damaligen Köpfe, die sich mit "okkulten" Fragen beschäftigten, mit von der
Partie: so z.B. die Gräfin Wassilko-Serecki, Vorsitzende der späteren
Österreichischen Astrologischen Gesellschaft, K. Schuppe und F. Quade von der
"Deutschen Gesellschaft für wissenschaftlichen Okkultismus", sowie auch H.H.
Kritzinger, der einzige deutsche Astronom des 20. Jahrhunderts, der zum
Astrologen wurde. Sein Lebensweg kreuzte sich hier mit dem des einzigen
deutschen Astrologen des 20. Jahrhunderts, der zum Astronomen wurde, Wilhelm
Hartmann. Hier kamen die "Okkult-Forscher" der damaligen Zeit zusammen, auch
wenn sie mit dem speziellen Thema Pendeln teilweise nur wenig zu tun hatten.
Die Verbindung zwischen Astrologie und Pendeln hatte schon seit langem der
Astrologe und Pendler Glahn hergestellt, dessen einflussreiche Bücher Hartmann
gut vertraut waren.
Wulff, der auf Wunsch Hartmanns zum Institutsmitarbeiter wurde, schildert
die Atmosphäre in der merkwürdigen Einrichtung: "Die Untergebenen des Kapitäns
bildeten eine wunderliche Gesellschaft: Da gab es spiritistische Medien und
Psychitive ..., es gab Pendler..., Tattwa-Forscher (Anhänger einer Art
indischer Schwingungslehre), Astrologen und Astronomen, Ballistiker und
Mathematiker. Das Institut hatte von höchsten Kreisen der Kriegsmarine – OKM –
den Auftrag, die Gleitzüge des Gegners auf hoher See durch Pendeln und andere
übersinnliche Praktiken aufzuspüren, um eine sichere Torpedierung der
Geleitzüge durch deutsche U-Boot-Flottillen zu ermöglichen. Tag für Tag hockten
die Pendler mit ausgestrecktem Arm über den Seekarten." Auch Spielzeugschiffe
mit verschiedenen Ladungen wurden zur Probe ausgependelt. Darüber hinaus gab es
noch spezielle Abteilungen, z.B. die von Wilhelm Hartmann persönlich als
Abteilungsleiter betreute "Tattwa-Abteilung", in der, so Walther, "durch das
Pendel bestimmte günstige und ungünstige "kosmische Schwingungen" der
Yogaphilosophie festgestellt werden sollten". Besonders befasst war Hartmann
auch mit dem Rutengänger und Pendler Straniak aus Salzburg, dessen
Pendelschwingungen er "auf Einflüsse und Abweichungen bei Sonnenauf- und
-untergang, bei dem Mittagsstand der Sonne und den Vollmond- und Neumondzeiten"
prüfte. Straniak erzielte unter Hartmann wochenlang weit überzufällige
Ergebnisse. Dann wurde der Pendler an das "normalwissenschaftliche" Berliner
"Institut für Strahlenphysik" überwiesen, wo er in weiteren Experimenten unter
den Augen der skeptischen Physiker kläglich scheiterte.
Hartmann hielt schon bald – wie er Gerda Walther in einem vertraulichen
Gespräch unter vier Augen versicherte – "das Ganze für Unsinn". "Die scheinbar
positiven Resultate erklärte er teils durch Autosuggestion, durch
Selbsttäuschung, teils durch bewussten Betrug." Nur einer, ein "drolliger
Wünschelrutengänger mit einem Dackel, der ausgesprochen schwäbischen Dialekt
sprach, aber in Afrika als Wassersucher auch bei den Engländern einen Namen
haben sollte", machte laut Hartmann eine Ausnahme, denn "dieser war offenbar
wirklich hellsehend."
Die insgesamt kümmerlichen und militärisch völlig unbrauchbaren
Ergebnisse ließen Hartmann vermutlich ahnen, dass dies nicht lange so gut gehen
könne. Denn die ausbleibenden militärischen Erfolge waren offensichtlich. Er
gab Gerda Walther den guten Rat "möglichst schnell wieder von hier
wegzukommen". Angeblich soll es sogar einen sehr kontroversen Briefwechsel
zwischen dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg und dem Leiter der
Reichskanzlei, Martin Bormann, über den Sinn dieses geheimen Pendel-Instituts gegeben
haben.
Als die "Erfolge" der Pendler immer katastrophaler wurden, breitete sich,
so Wulff, eine "nervöse Reizbarkeit" im
Institut aus. "Da schlug Dr. Wilhelm Hartmann dem Leiter des Instituts vor, mit
seinen Mitarbeitern eine andere Umgebung aufzusuchen. Die Ausstrahlungen der
Großstadt, erklärte er, und alle möglichen Störungen und Strömungen feinster
Art, die hier in Berlin wirksam seien, machten die Bemühungen der Psychitiven
zunichte. "Fahren Sie mit Ihrem Institut ins Gebirge oder an die See. Bei
Seeluft oder Sonnenschein werden sich Ihre Leute wieder erholen und dann besser
arbeiten." So fuhr der Leiter des
Instituts tatsächlich zu Beginn des Sommers mit seinen Mitarbeitern auf die
Insel Sylt." Dort pendelten Roeder,
Hartmann und die anderen Institutsmitarbeiter noch bis Ende 1942 weiter, die
Resultate fielen aber auf Sylt auch nicht besser aus. Immerhin war Hartmann auf
diese Weise aus dem Berliner Regierungs- und Diplomatenviertel entkommen, auf
das nun die alliierten Bombenangriffe massiv zunahmen.
Wegen der ausbleibenden Erfolge wurde die geheime Gruppe "SP" Ende 1942
schließlich wieder aufgelöst, Hartmann kehrte zu seiner alten
Luftwaffen-Dienststelle nach Rechlin zurück. Doch auch im späteren
Kriegsverlauf gab es immer wieder einmal Zusammenkünfte und Einsätze der
"Okkultforscher" aus der ehemaligen SP-Gruppe. Zum Beispiel schildert der
NS-Spionagechef und SS-General Walter Schellenberg in seinen Memoiren eine
Begebenheit aus dem August 1943, als Hitler befahl, den von den Alliierten gefangen
genommenen Mussolini wieder zu befreien, dessen Inhaftierungsort zu diesem
Zeitpunkt aber noch unbekannt war:
"Noch aber hatten wir keine Anhaltspunkte, wo sich Mussolini überhaupt
befand. In dieser Situation praktizierte Himmler wieder einmal eine seiner
okkulten Marotten – und nun sogar mit einem gewissen Erfolg. Er ließ einige der
nach dem Englandflug von Rudolf Hess verhafteten "Vertreter der okkulten
Wissenschaften" zusammenrufen und setzte sie in einer Villa am Wannsee in
Klausur. Es waren dies Hellseher, Astrologen und Pendler, die den
Aufenthaltsort des verschwundenen Duce ans Licht zu zaubern hatten. Diese
Seancen kosteten uns eine ziemliche Stange Geld, da der Bedarf an gutem Essen,
Trinken und Rauchen der "Wissenschaftler" ganz enorm war. Aber siehe da – ein
"Meister" des siderischen Pendels stellte nach einiger Zeit fest, Mussolini
müsse sich auf einer Insel westlich von Neapel befinden. Und tatsächlich war
der Duce auch zuerst auf eine der von ihm bezeichneten kleinen Ponza-Inseln
gebracht worden."
Dies waren also die Aktivitäten des Sternwartenleiters Hartmann während
des zweiten Weltkriegs. Sein enger Freund Wulff stieg nach der Auflösung des
SP-Pendelinstituts zum Leibastrologen von SS-Reichsführer Heinrich Himmler, auf
Vermittlung von Geheimdienstchef Schellenberg, der Wulff zur gezielten
Beeinflussung von Himmler einsetzte. Denn dieser traf in den letzten
Kriegsmonaten kaum noch irgend eine Entscheidung, ohne vorher seinen Astrologen
dazu befragt zu haben.
Die Sternwarte wird geplündert und verwüstet
Die geschlossene
Nürnberger Sternwarte blieb in all dieser Zeit zunächst unversehrt. Wie eine
Luftbildaufnahme aus dem Jahr 1945 zeigt war zwar in nur ca. 150 Meter
Entfernung südöstlich der Sternwarte eine Bombe eingeschlagen, das Gebäude
blieb aber unbeschädigt. Aus Angst vor den Bombenangriffen waren die 25
Aktenordner mit den gesammelten Unterlagen zur Germanen-Ortungslinienforschung
der Sternwarte zeitweise in die Privatwohnung von Tiefbaureferent Huber in
Laufamholz ausgelagert worden. Als aber auch dort Bomben fielen, kehrten sie in
den besonders gesicherten "Uhrenkeller" der Sternwarte zurück, wo auch die
Akten zu den Astrologie-Studien lagerten.
Mitte April 1945 wurde Nürnberg
durch die US-Armee befreit. Kaum war dies geschehen, drang die deutsche
Bevölkerung gewaltsam in die Sternwarte ein, die in der NS-Zeit zu einer Art
Forschungsinstitut im Dienste der nationalsozialistischen Ideologie mutiert
war, anstatt eine Volkssternwarte zu bleiben, mit der sich die Bevölkerung noch
hätte identifizieren können. Die Sternwarte wurde geplündert und verwüstet,
Fenster zerschlagen, Türen aufgebrochen, alle Wertgegenstände entwendet. Die
umfangreichen Unterlagen zu den dubiosen Germanen- und Horoskop-Studien wurden
zusammen mit den Büchern der Sternwartenbibliothek, die ebenfalls viel
entsprechende Literatur enthielt, im Vortragssaal zu einem großen Haufen
zusammengeworfen und angezündet. In das Feuer wurden schließlich auch noch alle
sonstigen greifbaren Unterlagen und Einrichtungsgegenstände der Sternwarte
geworfen, einschließlich der tragbaren kleineren Fernrohre. Der Spiegel des
nicht transportierbaren Hauptfernrohrs wurde mit Eisenstangen zertrümmert. Die
durch das Feuer erzeugte enorme Hitze brachte gar den metallischen Rahmen der
Eingangstür zum Vortragssaal zum Schmelzen. Dessen Deformation ist heute noch
zu sehen. Bis auf einige wenige Horoskope und Daten seiner
Astrologie-Untersuchungen, die Hartmann bei einem Heimaturlaub im Januar 1945
im eisernen Wandsafe im Keller der Sternwarte eingeschlossen hatte, blieb
nichts, aber auch gar nichts erhalten. Die Einrichtung der Sternwarte war
vollständig zerstört. Noch wochenlang spielten kleine Kinder am Rechenberg mit
kleinen Teleskop-Linsen, die sie aus der Trümmerwüste fischten.
Dies war der Preis, den die
Sternwarte für ihren in der NS-Zeit eingeschlagenen Kurs zu zahlen hatte. Keine
andere Volkssternwarte in Deutschland wurde nach Kriegsende durch die eigene
Bevölkerung geplündert und verwüstet, keine andere Volkssternwarte hatte sich
in der NS-Zeit so sehr dem Regime angebiedert und dabei auch ihren Charakter
als Volkssternwarte aufgegeben. Man tut somit gut daran, die Plünderung und
Verwüstung auch als einen politischen Akt zu begreifen, nicht nur als bloßen
Vandalismus, wie es Hartmann später unter Ausblendung der Vorgeschichte und der
eigenen Verantwortung interpretieren sollte.
Bedenkt man die zukunftsweisenden
und geradezu seligen Zustände im Jahr 1932, so war der Nationalsozialismus für
die Nürnberger Sternwarte eine einzige Katastrophe: Das die Sternwarte
unterstützende Planetarium – in politischer Verblendung geschlossen und im
ideologischen Wahn abgerissen. Der die Sternwarte pflegende und betreuende
ehrenamtliche Verein – durch Repression zerschlagen und in alle Winde verweht.
Politische und finanzielle Förderer der Sternwarte – verhaftet, ausgeschaltet,
liquidiert. Die Popularität der Sternwarte – unterminiert, diskreditiert und
zerstört durch das skrupellose Einspannen des Observatoriums vor den Karren der
NS-Ideologie, dubiose Untersuchungen und das Aufgeben des Verständnisses als
Volkssternwarte. Die technisch-instrumentelle Basis und sonstige Ausstattung –
für immer verbrannt als symbolische Austreibung der Geister des
Nationalsozialismus.
Wilhelm Hartmann kehrte am 6. August 1945 nach Nürnberg
zurück. Die Sternwarte blieb noch drei Jahre, bis 1947, unangetastet in ihrem
verwüsteten Zustand, umgeben von einem noch größeren Trümmerhaufen namens
Nürnberg.
Hartmann bezieht die Sternwarte als Wohnung
Seit April 1945 lag das verwüstete
Sternwartengebäude verlassen auf dem Rechenberg, ohne dass sich irgend jemand
darum kümmerte. Da alle Fensterscheiben zerschlagen und auch die demolierte
Eingangstür nicht mehr verschließbar war, fegten Wind und Niederschläge
ungehindert durch die Trümmerlandschaft der teils ausgebrandten Innenräume.
Erst im Winter 1946/47
veranlasste die Stadt das vorläufige Einsetzen neuer Fenster und Türen. Doch es
nützte nichts: Binnen weniger Tage waren die Fenster wieder eingeworfen und die
provisorische Eingangstür erneut aufgebrochen. In diesem und dem vorhergehenden
Winter hatten es sich Horden von Kindern angewöhnt, die Auffahrt zur Sternwarte
als Rodelbahn zu benutzen, und das Trümmerfeld des frei zugänglichen
Sternwartengebäudes war für sie ein willkommener Abendteuerspielplatz. Den
wollten sich die Kinder nicht einfach nehmen lassen, so wurde vermutet.
Da entschloss sich die Stadt in
Abstimmung mit Wilhelm Hartmann (der zwischenzeitlich als Mathematiklehrer an
einem Nürnberger Wirtschaftsgymnasium unterrichtete) zu einer weitergehenden
Maßnahme, um das Treiben am Rechenberg wieder unter Kontrolle zu bekommen:
Hartmann bezog zusammen mit seiner Frau die Sternwarte als Privatwohnung. Ihre
Aufgabe war es, durch ständige Anwesenheit die Kinder vom Rechenberg zu vertreiben
und die Innenräume der Sternwarte wieder zu säubern und bewohnbar zu machen.
Um die Sternwarte als Wohnung einzurichten, wurde 1947 in den bis dahin
großräumigen Vortragssaal eine Trennmauer eingezogen, so dass als Schlafzimmer
der spätere Werkstatt- und heutige Vereinraum entstand – allerdings jahrelang
noch ohne Verbindungstür zum Rest-Vortragssaal, der nun zum Wohnzimmer wurde.
Auch die heute noch bestehende kleine Küche und der angrenzende Lagerraum
wurden durch die Einziehung einer Mauer abgetrennt.
Bis 1954 sollten Hartmann und seine Frau nun auf der Sternwarte leben.
Der Garten der Sternwarte wurde von ihnen landwirtschaftlich genutzt, vor allem
zur Hühnerhaltung: Das Federvieh war rund um die Sternwarte ständig zugegen.
|